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Mädchen. Und welches ist die falsche Pforte?
Vater. Er hat mehr als eine, und damit ich euch nichtdose mache, mag die erste seyn: die speculirende Ver-nunstv forte. Seht, da gehen keine ganzen Gestalten hin-ein, sondern Schatten; zum Unglücke gar falsch abgezogene,verstümmelte Schatten, wie ihr sie beschrieben habt; das nen-nen manche Philosovben abstrahiren, d. i. die Begriffebis aul's Hemd auszieben; ost aber nehmen sie ihnen die Hautund einige Glieder mit. Solche Philosophen gebe ich euch Preis.Mit ihrer Abstraction machen sie selten Eindruck, sie wol-len auch keinen machen; sie wollen nur um die Region desVerstandes wetterleuchten. Ihnen glaubt ckeiner, denn sie glau-ben sich selbst nickt: aber desto mehr ranken sie mit einanderund spießen Worte. Nehmt euch in Acht vor ihnen, meineSöhne, und bleibt dem guten, gesunden Verstände treu; diegrübelnde Vernunft liefert euch nur Spinnengewebe statt Seide.Es ist, Mädchen, als ob ihr ein Buch läset und wolltet allea, e, i, o, u heraus abstrahiren; wird euch das Lesen leichtund angenehm seyn?
Töchter. §y nein, Vater, sollen wir das Buchstabi-ren umsonst gelernt haben? Und dann, die abstrahirten Wör-ter würden ja sd löcherig ausiehen, als eine zerschossene Armee.
Vater. Das ist ein kriegerisches Gleichniß; und setztHinz», daß den Wörtern noch gar alle Augen ausgeschossen sind(das sind die Voealen), und gerade das thut oft der Grübler.Cr bemerkt Alles, nur nicht den Geist einer Sache, den läßter sich entwischen, denn der läßt sich nicht zergliedern. Duchsta-birt also immer recht, meine Kinder, und laßt keine Buchsta-ben aus; tbut's auch bey den ersten Eindrücken, und halteteuch dabey hübsch an die alre Rechtschreibung; dann werden,will's Gott, eure Eindrücke, es mögen dis ersten oder die leb-ten seyn, ihr wöget sie in den Geist oder in das Herz logiren,so wahr, richtig und dauernd seyn, wie sie's für ein armesmenschliches Geschöpf können, das nur zwey Augen und EinenMenschenverstand hat, weil es ja auch nur Ein Herz habenPhilosoph. Abtheil. VI. Band. M