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2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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Vernunft nicht aus einem Gegenstände machen? und hat sienicht aus Jeglichem Alles gemacht, was ihr einsiel?"

Das ist alsdann kein richtiger Verstand," riefen die Kna-den hinein; aber die Mädchen kehrten sich daran nicht, son-dern fuhren fort, die Eindrücke des Herzens zu preisen.DasHerz," sagten sie,nimmt alle Gegenstände ganz auf, wiesie sind, wie sie die Natur geformt hat: es zerrheilt undzerstückt nicht, darum gibt eS auch so große, ganze Wirkung.Lehrt uns Ein Eindruck des Herzens nicht mehr, als hundertEindrücke des Verstandes? Gräbt und ahnet es nicht tiefer,und bringt gleichsam das Unsichtbare an's Licht? Welch einReichthum von Wahrheit liegt in den Sympathien und Anti-pathien des Herzens, von denen der blinde Verstand kein Wortweiß, ja von denen er sich kein Wort erklären kann, wenn sieauch schon unläugbar vor ihm liegen? Wie viel ahnet nicht einKind, ein herzlicher Mensch, bloß nach dem ersten, unbesto-chenen Eindruck! Sobald er sich's erklären will, und den Ein-druck zergliedert, flieht die Wahrheit: er cäsonnirt ihn sich hin-weg und räsvnnirt sich in die Lüge.

Vater. Ich muß mich des Verstandes annehmen, Mäd-chen, ihr macht's zu arg. Auch der erste Eindruck ist des Ver-standes und nicht des Herzens. Nur gibt es einen grübelndenVerstand, den man meistens die sp i tz f i n d i g e Vernunftnennt, und einen gesunden; des letzten ist der gute Ein-druck, des ersten das späte Grübeln. Allerdings sagt dererste Eindruck viel, weil er unbefangen, schnell und ganz ist;er kann sich indeß doch auch trügen und muß sodann recrificircwerden. Wenn ihr auf den Verstand scheltet, der ihn reccisi-cirt, so scheltet lieber auf die Erfahrungen, die ihn dazu zwin-gen, die ihm das erste Gemahlde umkehren oder oft mit Schmer-zen zergliedern. Unmittelbare Eindrücke aufs Herz gibt's indieser sublunarischen Welt nicht: sie müssen immer durch einenTheil des Verstandes gehen; wohl, wenn sie durch's rechteThor paffiren: denn der Verstand hat auch seine falschen Pfor-ten, wie die Träume.