denn Höflinge lügen nie; aber es vertrieb des Sultans Schwer-miith nicht. Um diese zu zerstreuen, kam er endlich auf denEinfall, sich einen Philosophen zum Gesellschafter zu erwäh-len. Warum nicht lieber einen Hofnarren ? dem würde es bes-ser gelungen seyn; allein der Sultan Aladdin-Ben-Kaikosruhielt es unter seiner Würde, von einem solchen Geschöpfe denThron umgaukeln zu lassen.
An einem schönen Mvrgen saß er mit seinem Philosophenam offenen Fenster und gähnte. Da nahm jener das Wort:„O Beherrscher der Gläubigen! Quell der Weisheit! Stromder Gnade! MeSr der Barmherzigkeit!" — (Philosophen spa-ren nie die Titel, wenn sie mit großen Herren reden) — „manhat dich schon so oft mit diesem Kastanienbaume verglichen, dochstets die Hauptähnlichkeit übersehen oder verschwiegen. Dennso wie dieser Baum alle Bäumchen um sich her durch seinenSchatten am freudigen Wachsthum hindert, so raubst du dei-nem ganzen Hofe den leichten frohen Sinn durch deineSchwermuth."
„Nicht übel," erwiederte der Sultan, „und leider auchwahr! doch wie stehts zu andern? Lehre du mich lachen! Ichverspreche dir, jedeSmahl, da es dir gelingen wird, ein Lächelnmir zu entlocken, mit einem kostbaren Ringe dich zu beschenken."
„Ach," ries der Philosoph, „dann werden meine Fingerwohl ewig unberingt bleiben! Sey es üble Laune, sey es einzu ekler Geschmack: deine Hoheit wird, mein attisches Salzstets fade finden."
„Versuch' es," entgegnete der Sultan, „der Ring istdein, so oft du mir beweisest, daß ich von Rechtswegen hättelachen sollen."
Jetzt nahm der Philosoph sich zusammen; nicht eben umder Ringe willen, die hatten keinen andern Werth für ihn,als daß es ihm bequem schien, künftig an seinen Fingern dieEigenschaften edler Steine philosophisch zu untersuchen; nein,aus purem, lauterem Patriotismus und reiner Ergebenheitfür den größten aller Sultane. Zuerst^ erzählte er die Geschichte