ic>5
die liparischen, panorischen, alicudischen Inseln und Strombolound Volcano, lagen mit ihren rauchenden Gipfeln unter unfernFüßen; auf ganz Sicilien sahen wir wie auf eine Landkartehinab, und konnten jeden Fluß in allen feinen Krümmungenvon seiner Quelle an bis zur Mündung verfolgen. Kurz, dieAussicht ist auf allen Seiten granzenlos; kein einziger Gegen-stand im ganzen Gesichtskreise, der sie unterbrechen konnte;das Auge verliert sich allenthalben im Unermeßlichen, und ichbin versichert, nur die Unvollkommenheit unserer Augen warSchuld daran, daß wir die Küsten von Afrika, ja selbst vonGriechenland, nicht entdeckten; denn beyde mußten über un-serem Horizonte liegen.
Beschreibung einer Seuche, welche Attika imzweyten Jahre des peloponnesischen Kriegesverwüstete *).
War schon das erste Jahr dieses blutigen Krieges für dasverwüstete Attika entsetzlich, so wurde es nun von dem zweytenin einen Abgrund von Elend gestürzt.
Kaum erhob der Frühling sein lächelndes Antlitz über dieblüthenlosen, verheerten Gefilde, als die zwcy größten Feindeder Menschheit — Schwert und Seuche — von Neuem eingräßliches Schauspiel begannen. Die Elemente schienen mitAthens Feinden in einen Bund getreten zu seyn, und unsicht-bare Mächte das Panier des Todes zu schwingen. Denn nichtgenug, daß das ganze peloponnesische Heer wieder sengendund brennend in Attika einfiel — würgte auch eine unergründ-liche Krankheit Tausende von Opfern dahin. Körper, die sich»och kaum im Gefühl ihrer Stärke erfreuten, sanken ächzendzur Erde nieder; Wangen, auf welchen noch eben die Rosen-blüthen der Gesundheit schimmerten, Augen, aus welchen freu-dige Lebenskraft hervor leuchtete, erblichen und erstarken. Die
*) S. Perikles der Olympier, eine biographische Darstellung von
F. CH- Kuffner-