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kn der Meinung stehst, daß deine Ehre darunter leiden könne.Dächte ich das, so wurde ich diese Bitte nie gethan haben,weil dein Ruhm mir ungleich näher am Herzen liegt, als je-nes freundschaftliche Verhältniß. Aber ich bin überzeugt, (wie-wohl ich mich irren kann), die Schonung, um welche ich dichbitte, werde dir vielmehr Lob als Tadel zuziehen. Was in die-ser Sache möglich ist, und was du mir zu Gefallen thunkannst (denn an deinem Willen zweifle ich keinen Augen-blick), darüber ersuche ich dich, wenn es dir nicht beschwerlichist, mir Nachricht zukommen zu lassen.
6. Seneca an seinen Freund Lucilius.
Du denkst wohl, ich werde dir schreiben, wie artig unsder Winter behandelt habe, wie gelinde und wie kurz er ge-wesen, wie tückisch der Frühling sey, wie unzeitig die spateKälte komme, und andere Possen Solcher, die nur etwas sa-gen wollen.— Vielmehr will ich etwas schreiben, das mir so-wohl, als dir nützen könne. Was aber wird dieß anders seyn,als daß ich dich zur Veredlung deines Sinnes auffordere? Wasdavon die Grundlage sey, fragst du?— Daß du dich nicht desEiteln freuest. Die Grundlage, sagt' ich, wäre dieß? Es istder Gipfel. Der hat das Höchste erreicht, welcher weiß, wor-über er sich freut, der seine Glückseligkeit inkeine fremde Machtstellt. Voll Sorge und seiner selbst nicht versichert ist der, deneine Hoffnung reizt, wäre sie ihm auch nahe, wäre sie auchnicht schwer zu erfüllen, hätte ihn auch, was er hoffet, niegetäuscht. Das thue vor allem, mein Lucil, lerne dich freuen.Meinst du, ich entziehe dir viele Vergnügungen, da ich dasZufällige entferne, da ich meine, die Hoffnung, diese Quelleder süßesten Lust, müsse gemieden werden?— Im Gegentheil!Nach meinem Willen soll es dir nie an Freude fehlen. Siesoll dir daheim zuwachse»; und das wird sie, wenn sie inner-halb deines Selbst sich befindet. Andere Aufheiterungen füllendas Herz nicht, nur die Stirne entrunzesn sie, sind flüchtig;wenn du nicht etwa glaubst, wer lacht sey froh. Das Gemüth