Druckschrift 
2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen
 

Friedrich Schlegel.

Das sicherste Mittel, unverständlich, oder vielmehr miß-verständlich zu seyn, ist, wenn man die Worte in ihrem ur-sprünglichen Sinne braucht; besonders Worte aus den altenSprachen.

Um jemanden zu verstehen, der sich selbst nur halb ver-steht, muß man ihn erst ganz und besser als er selbst, dannaber auch nur halb und gerade so gut wie er selbst verstehen.

Man kann nur Philosoph werden, nicht es sey». Sobaldman es zu seyn glaubt, hört man auf, es zu werden.

Die Kritik ist die Kunst, die Scheinlebendigen in der Li-teratur zu tödten.

Jeder rechtliche Autor schreibet für Niemand oder für Alle.

Heraklit sagte, man lerne die Vernunft nicht durch Viel-wisserey. Jetzt scheint es fast nöthiger zu erinnern, daß mandurch reine Vernunft allein noch nicht gelehrt werde.

Man glaubt Autoren oft durch Vergleichungen mit demFabrikwesen zu schmähen. Aber soll der wahre Autor nicht auchFabrikant seyn? Soll er nicht sein ganzes Leben dem Geschäftwidmen, literarische Maximen in Formen zu bilden, die aufeine große Art zweckmäßig und nützlich sind? Wie sehr wäremanchem Pfuscher nur ein geringer Theil von dem Fleiß undder Sorgfalt zu wünschen, die wir an den geringsten Werk-zeugen kaum noch achten.

L e s s i n g.

Vornehme Leute haben sich besser ausdrücken gelernt, alsder gemeine Mann: aber sie affecliren nicht unaufhörlich, sichbesser auszudrücken) als er.

Jede Leidenschaft hat ihre eigene Beredsamkeit, mit derallein die Narur begeistert, die in keiner Schule gelernt wird.

Bey einer gesuchten, kostbaren, schwülstigen Sprache kannniemahls Empfindung seyn. Sie zeigt von keiner Empfindung,und kann keine hervor bringen.