Der Lehrplan von 1620. 4ß7
der neue Lehrplan abgedruckt. Dieser Lehrplan enthält fast nurZukunftsmusik und wenig Konkretes, da gerade das, was die Schuleüber den Durchschnitt der .gewöhnlichen Trivialschulen erhebensollte, an Wenn und Aber gebunden erscheint. So kündigte erals etwas Neues für das Oderland Vorlesungen über J. Sleidanus'„Monarchiae" zur Einführung in den historischen Stil und „exo-ticarum linguarum [Italienisch, Französisch] horti" an. Die an-gekündigten Vorlesungen über die „Institutionen" sind wohl auchkaum in Angriff genommen worden und ebensowenig die propä-deutische Nachbildung der „Politia Romana", wie man sich diesedamals vorstellte, mit der Definition der Stände und den Funk-tionen der einzelnen, als Staatskunde gedacht. Die in Aussichtgenommenen Exercitia corporis gehen vielleicht auf die von Meli-deus in seiner Antrittsrede erwähnte, vor kurzem in Siegen inNassau gegründete „Schola militaris" *■) als Vorbild zurück, die erals Nachahmung der Einrichtungen der Spartaner und der Türkenbetrachtete. Er scheint den Herzog Georg Rudolf dafür interessiertzu haben. Die Exercitia in Goldberg sollten in „leviora" (deam-bulatio und motoria: cursus, pila) und „aecuratiora", „cuiusmodi111. Princeps esse voluerit", eingeteilt werden. Die Ausführung desGedankens hätte der fürstlichen Schule als der ersten in Schlesiendas Turnen gebracht. Die im Vorwort versprochenen Gesetzefehlen ganz. Dem Drucke geht eine mehrere Seiten einnehmende,in „Famao templo" gedachte, am zweiten Geburtstag der wieder-hergestellten Schule von Rektor und Lehrerkollegium dem HerzogGeorg Rudolf „ob Musas reeeptas servatasque literas" gesetzte und„Aoternitati" geweihte Votivtafel voran. Aus der Fassung siehtman, daß sich Melideus auf höfisches Wesen verstand; er warnicht umsonst an der fürstlich hessischen Hofschule gewesen.Außerdem hängte er ein paar poetische Beigaben an; zuerstwieder einmal eine anagrammatischc Kunstleistung. Aus „GeorgiusRudolphus dux Silesiae Lignicensis et Bregensis" wurde unterseiner Feder: „Tui, Schola Goldbergensis, Genii Spes Vernilis Dux.Ei surges!" Das richtete sich an die Schule. Ein „Carmen voti-vum" verhieß, des Fürsten Sorge für die Schule würde wie das Hörnder Amalthea kostbare Samen vielseitigen Heils und zukünftigenLobes in den Schoß des Vaterlands ausschütten. Ein Freund, dergekrönte Poet und Philologe M. Agricola, sandte ein Epigrammauf Goldberg, in dem er „aureum" und „aurea" in fünf Distichentothetzte. Melideus und sein Freund irrten sich gründlich.
') Vgl. u. .Nachträge".