Druckschrift 
Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
Entstehung
Seite
439
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Feiges Tätigkeit als Rebtor. Traurigstes Sinken der Schule. 439

Diese Gesuche gingen an den Rektor als die übergangeneerste Instanz zur Bearbeitung und zum Bericht zurück. Sein Be-richt vom 18. Okt. war weder für den einen noch für den anderngünstig. 1 ) Brett, meinte er, habe zwar mit und neben ihm nachdem Tode Sickes eine kurze Zeit etliche Stunden verrichtet, wiedas in solchen Interregnis billig und bräuchlich sei. Er selbst aberhabe mehr und höhere als Brett und zwarordinarias operas" desRektors verwest und doch dafür niemals besondere Belohnunggesucht. Daher erklärte er Bretts Forderung nicht für billig underheblich. Sollte dieser aber aus fürstlicher Freigebigkeit etwasdafür erhalten, würde er hoffentlich dasselbe, wo nicht mehr, auchzu gewärtigen haben.

Auf des Kantors Wünsche sei man bisher auch nicht ein-gegangen, und das habe seine guten Gründe gehabt. In der ge-druckt vorliegendenInstauratio" der herzoglichen Schola illustrisvom 27. Juli 1599 seien alle Arbeitsleistungen des Rektors, desProrektors und der übrigen Professoren und die darauf bei derfürstlichen Rentkammer verordneten Stipendien angegeben. Nachseinem eigenen, heut dem Berichterstatter gemachten Bekenntnishabe Vechner nicht eine einzige Stunde mehr und habe von da anbis auf den heutigen Tag und vorher seine angesetzten 40 Markund nicht 20 Mark mehr von den Kollektoren der Schule emp-fangen. Nur habe ihm sein Schwiegervater Mag. P. Crüger alsRektor 20 Mark mehr zahlen lassen, ohne daß irgend jemand denAnweisenden und die Gründe dafür kenne. Überdies habe, so-lange man denken könne, das ordentliche Gehalt des Kantors niemehr als 40 Mark liegnitzisch betragen, ungerechnet die Akzi-denzien bei der Schule und bei der Stadt, die nicht gering wären.Ferner habe keiner seiner Vorgänger weniger Arbeit gehabt, ja,etliche noch mehr, und doch seien sie mit ihrem ordentlichenGehalt zufrieden gewesen. Außerdem hätte Vechner, falls er wegenseiner Arbeiten und seines Gehalts Beschwerden gehabt, sie da-mals alsbald vorbringen, höhere Besoldung ordentlich suchen oderseiner Arbeiten müssig gehen sollen. Man wird hier lebhaft anPaxmanns Streit mit dem Kantor Krumbhorn erinnert.

Diesen Bericht gab W. von Zedlitz am 22. Okt. 1612 an denHerzog Johann Christian in Brieg weiter, indem er sich FeigesAusführungen zu eigen machte 2 ); er fügte aber noch die viel-

') Feiges Brief St. A.-Br., Ortsakten, Fasz. XXI.a ) Der Bericht W. von Zedlitz' St. B.-Br., Wenzel.