Die Vergangenheit des neuen Prorektors M. Laubanus. 347
Meisters eifriger Schüler ist er besonders als Poet gewesen;er bekannte, daß er von ihm, obgleich er nur so kurze Zeit seinSchüler war, nicht nur in die Rudimente der Poetik eingeführtworden sei, sondern daß er vor allem Vergil, den er schon inSprottau unter Miriscius zu lieben angefangen, durch die täglicheEmpfehlung Meisters bewundern gelernt und ganz in sein Herzgeschlossen habe. Die Neigung für Vergil habe die Lektüre der„Poetica" ,T. Scaligers, die er auf Anraten Meisters mit einem unddem andern Mitschüler unternommen, und die häufige Vorgleichungder Muse Meisters mit der Vergils vermehrt. Da er Meister alssehr glücklichen Nacheiferer der Maronischen Majestät erkannt,habe auch er nach andauerndem Lesen Vergils und aus ähnlichenNachahmungsversuchen für seine eigene Dichtung einst etwas Farbeund Würde zu erhoffen gewagt. Und sehr gelegen sei es für ihngekommen, daß nach Meisters Abgang der Eektor Ludovicus sofortdie „Aeneis" von Anfang an zu erklären übernommen habe, durchdessen Unterricht sein Eifer noch weit mehr auf Vergil gelenktworden sei. in den vier Jahren in Görlitz habe er vier Büchervollständig im öffentlichen Unterricht empfangen. Vom Anfangbis zum Ende, wie Ludovicus bei allen Klassikern zu tun sehr oftseine Schüler geheißen, habe er Vergil mehrfach durchgenommenund sein Studium auf „epitheta, periphrases, phrases, clegantias,figuras et ornamenta poetica" gerichtet; besonders als die Pest1585 der Schule gezwungene, traurige Ferien auferlegt, habe er«ich durch ganze vier Monate Tag und Nacht einzig mit Vergilbeschäftigt und mit Hülfe des Kommentars des Servius und andererhandschriftlicher Schoben aus allen Büchern des Dichters einenumfangreichen „Index supellectilis apparatusque poetici" nachseinem damaligen Können zusammengestellt. Dieser Sorgfalt habeder Nutzen entsprochen; denn die Zusammenstellung habe in derF olg e nicht bloß ihm, sondern auch andern Mitschülern stets freie undgeeignete Hülfsmittel für das Schreiben von Versen geboten. Nie-mals sei ihnen etwas zu kommentieren aufgegeben worden, was8 ie vermöge dieser Unterstützung mit Vergilischen oder ähnlichenFormeln nicht gekonnt hätten. Und wenn einmal von einem andernetwas auffallend K lücklich ausgedrückt worden wäre, hätten sie dassofort bei der öffentlichen Rezitation erkannt, da ihnen alles Ver-mische schon ganz bekannt und wie alltäglich gewesen sei. VonLudovicus führte er auch das ihm maßgebende Wort an, an denVergilischen Reden, wenn sie auch nur kurz wären, könne allesKunstmäßige der Beredsamkeit, die eine spezielle Frucht der all-
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