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Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
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Anfangszustand der Schule und ihre Lehrer. 81

und Kaufleute, auch ihr, Hencker, Büttel und Buben." Die ganzeErzählung ist nichts weiter als eine alte Schulschnurre, die schonvon dem Lehrer Luthers J. Trobonius 1 ) berichtet wird. Vor demkleinen Häufchen von Schülern, das Trozendorf vorfand, wäre derScherz auch gar nicht am Platze, sondern abgeschmackt gewesen.Er übernahm ganz allein den Unterricht der fortgeschrittenerenSchüler; die kleineren fielen neben dem Gesangunterricht für alledem Kantor Meffred zu. Als die Zahl der Schüler sich allmählichmehrte, griff Trozendorf zu dem alten Aushilfsmittel, daß er ältereSchüler zu dem Unterricht der Anfänger gebrauchte 2 ), bis er endlichin der Lage war, auch akademisch vorgebildete Lehrkräfte für dieobere Stufe zu seiner Entlastung heranzuziehen. Doch auch dannbehielt er die älteren Schüler, die man in Schlesien Schreiber zunennen pflegte, für die Unterstufe bei.

Von den jungen Hilfslehrern ist einer unvergessen, vielleicht,weil er besonders tüchtig und außerdem dadurch merkwürdig war,daß er zum schlesischen Adel gehörte: J. Tschirnin (Tschernin) odervon Czirn aus einer Familie des Neißer Gebiets. Man nannte ihnmit Übersetzung seines polnischen Namens Nigrinus, und der DichterJ. Stigel hat Tschernin dem lateinischen Verse zuliebe sogar inIserninius" verkehrt. Dieser las den Jüngeren die Briefe Ciceros,ein Jahr gratis und dann auf Anordnung des Herzogs Friedrich II.gegen 40 Liegnitzer Mark jährlich vom Rate der Stadt Goldberg. 3 )Er blieb dabei Schüler Trozendorfs. Nach unsern Angaben beganner 1539 mit seiner Lehrtätigkeit und setzte sie etwa bis zum Früh-jahr 1542 fort, wo er nach Wittenberg ging. Dort starb er bald;Trozendorf hielt ihm in der Goldberger Schule eine Trauerrede 4 ),und Stigel schrieb ihm ein poetisches Epitaph. 5 ) Im J. 1539 odervielleicht schon Ende 1538 trat der erste akademische Lehrer fürRhetorik ein; auch er war vorher ein Schüler Trozendorfs gewesen,und wir haben ihn schon kennen gelernt: Ch. Preyß Pannonius ausPreßburg.") Er war im Sommersemester 1536 von Goldberg nachWittenberg gekommen und am 19. September 1538 zum Magisterpromoviert worden. Preyß, der wegen seines dichterischen Talentsgeschätzt wurde, ist jedoch in Goldberg nicht alt geworden, dennschon am 2 7. Aug. 1540 erging an ihn der Ruf als Professor an

1 ) Löschke, K. J., V. Trotzendorf. Breslau 1856. VIII, 95 S. S. 19, Anm.

2 ) Bauch, Bart S. 20. ') Ebenda.

4 ) Scriptores rer. Lusat. 1, S. 439.

5 ) Stigelius, J., Poematum Liber IX. Jenae 1572. Bl. H5\«) Bauch, Frankfurt S. 140/2, 152/3.

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