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Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
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72 Die gehobene Stadtschule.

Gelehrsamkeit in einer so trostlosen und undankbaren Stellung zuvergraben; sobald er eine andere Unterkunft vor sich sah, be-schloß er, nach kaum achtzehn Monaten, 1528, das Feld zu räumen,und diesen Entschluß erleichterte ihm sein unleidliches Verhältniszu dem damaligen Bürgermeister Ch. Langer, Grötzer genannt, derein nicht eben feiner Mann gewesen sein soll. Zum Abschiedleistete sich der durch seinen Humor bekannte Lange den Spaß,diesen Korydon und gestrengen Herrn noch einmal tüchtig zuärgern l ), und man erzählte sich später noch die Sache mit vielemVergnügen. Über Breslau begab er sich nach Neiße und standdort etwa 1528 bis 1530 der Schule zu St. Jakob vor. Nach 1530wurde er bischöflicher Kanzleinotar, trat jedoch 1532 als Stadt-schreiber in Schweidnitz ein und blieb dort bis 1534. Hieraufwurde er wieder Sekretär des Bischofs Jakob, und Bischof Bal-thasar machte ihn 1539 zu seinem Kanzler, König Ferdinand I.ehrte ihn 1540 mit dem Titel eines Doctor legum. Gegen 1543ging er als Rat und Orator in den Dienst Ferdinands über undwurde besonders oft zu Gesandtschaften nach Polen verwendet. Inden fünfziger Jahren lebte er als Privatmann in Neiße und gabzum Zeitvertreib Unterricht an seiner alten Schule der GoldbergerLehrer Mag. Z. Bart hat damals zu seinen Füßen gesessen 2 ), undder kaiserliche Rat verbrachte seinen Lebensabend als Syndikusin Schweidnitz, wo er am 25. Aug. 1567 starb. Trotz der Dienstebei zwei Bischöfen und am Wiener Hofe war Lange ein Anhängerder Reformation. Im Liegnitzer Gebiet erschien er nochmals 1557 alsköniglicher Kommissar bei derWiedereinsetzung Herzog Friedrichs III.Seine umfangreichen Übersetzungen der Kirchengeschichte desNicephorus Gallistus Xanthopulus 3 ), die mit Ferdinands I. Unter-

') Vgl. St. B.-Br., Wenzel. Fertig zur Abfahrt, suchte er den Bürger-meister auf und sagte zu ihm:Herr Bürgermeister, ich hätte euch was ver-traulich mitzuteilen, woran sonderlich eurer Person viel gelegen ist; wenn ihres nicht weitersagen wolltet." Der Bürgermeister versprach dies mit Mundund Hand. Nun fuhr Lange fort:Mein Herr Bürgermeister, ihr seid eingrober Esel und nicht der, der solch ein Amt führen soll." Ergrimmt riefLanger nach seinen Leuten, um denBachanten" greifen zu lassen. Langeentgegnete aber:Nein, ihr habt versprochen, ihr wolltet nichts sagen, und ichhabe auch keine Zeit übrig." Sprach's, ging hinaus, stieg auf den Wagen undfuhr schnell davon.

2 ) Bauch, Bart S. 5.

3 ) NicephorusCallistus, Ecclesiasticae historiao libri decem & octo.opera . . . ac studio Joannis Langi, e Graeco in Latinum sermonem translati,nuneque denuo in lucem editi. Basileae per J. Oporinum et Heruagium (1555).965 [richtig 956] S., 26 Bl. fol. [Ex.: Berlin, Staats-B.].