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Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule
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62
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g2 Die gehobene Stadtschule.

tation Luthers mit Eck in Leipzig bei. Da er am 31. Mai 1510in Wittenberg immatrikuliert ist, muß er, kaum als Pönitenziarangenommen, bald nach der Passionszeit (Ostern fiel 1519 auf den24. April) Urlaub genommen haben, um nach "Wittenberg zu eilen.Von dort aus folgte er, so sagen wenigstens die alten Biographen,Luther nach Leipzig. Dem Pönitenziar mag das, was er ausLuthers Schriften kannte und was er in Leipzig hörte, bei seinernachdenklichen und tiefgründigen Natur schwer zu bewältigendeGeistes- und Gewissensarbeit gegeben haben. Daß er, um sich überdie Reformation zu klären, wegen seiner Eigenschaft als Pönitenziargewissermaßen inkognito nach Wittenberg gegangen war (auchandere 1 ) bedienten sich aus ähnlichen Gründen der Pseudonyme),lehrt uns das Album der Universität, in das er alsValentinusDrossendorf diocesis Misnensis" eingetragen ist: er hat demnachhier den Namen angenommen, unter dem er berühmt gewordenist. Früher hatte er sich vielleicht die freie Übersetzung vonFriedland,Irenaeus", als Namen beigelegt, später brauchte er diesennoch alsIrenaca" mit symbolischer Deutung für seine Mutter. 2 )Schwierig ist nun die Frage zu beantworten, wie er sein Bres-lauer Amt mit seinen Wittenberger Studien weiter vereinigt hat.Da er sich im Febr. 1520 wieder in Schlesiens Hauptstadt befandund auch im September dort verweilte, ist wohl anzunehmen, daßer in der Zeit der letzten Krankheit des Bischofs Johann V. undin der Brcslauer Sedisvakanz (Johann V. gestorben am 11. Aug.1520, Jakob konsekriert am 1. Sept. 1521) durch seine amtlicheStellung an Breslau gefesselt war, daß er aber bald nach derWahl Jakobs (am 1. Sept. 1520) abgereist ist. Denn da feststeht,daß er bei dem getauften spanischen Juden und Arzte MatthäusAdrianus 3 ) in Wittenberg sein Hebräisch gelernt und gründlich

') So nannte sich 1522 der Minorit Franz Lambert aus Avignon, um sichvor seinen Ovdensgenossen zu schützen, Johannes Serranus: End ers 4, S. 87/8.Zur Schreibung des Namens Trozendorf sei bemerkt, daß die FormTrotzen-dorf" niemals von ihm angewendet worden ist; er schrieb sichTrozendorffoder seltenerThrozcndorff". Das erste o ist lang zu sprechen. Den Heimats-ort Troitschendorf sprichTrotschendorf", auch mit erstem langen o, so wiedie Dörfer Schwoitsch und Woischwitz bei BreslauSchwotsch" undWosch-witz" mit langem o zu sprechen sind. Das i nach o ist ein altes Dehnungs-zeichen, nichts weiter. Zeitgenossen schrieben seinen Namen öfter Trotschen-dorf;Trotzendorf kam erst später allmählich auf und ist ganz unbegründet.

*) Vgl. Trozendorf, Methodi Bl. 43*.

3 ) Bauch, G., Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg. Mo-natsschr. f. Gesch. u. Wissenschaft des Judentums, N. F. 12 (1904), S. 2232,77-86, 145-60, 214-23, 283-99, 328-40, 461-90. S. 463, 460.