42 Die gehobene Stadtschule. •
war eine Tochter Jakob Gürtlers, die ganz bedeutend jünger alsHieronymus gewesen sein muß. In der Schule ging er auf denSpuren seines Schwagers getreulich weiter.
Seine Mitarbeiter im Schuldienst waren B. Buchwald, J. Calvus(Kahl), K. Fleischer und B. Lubschütz, deren Reihenfolge wohl nuraufs Geratewohl zusammengestellt ist. Buchwald z. B. dürfte baldabgetreten sein, um seine letzte akademische Würde zu erwerben,so daß wieder nur drei Collaboratores vorhanden waren. ÜberJ. Calvus ist nichts bekannt. K. Fleischer aus Wilmannsdorf, nichtaus Löwenberg, hatte vom Sommersemester 1508 ab in Frank-furt a. 0. studiert und dort im Wintersemester 1509 das Bakka-laureat erlangt. Im Sommersemester 1513 erscheint er nochmalsals Student in Wittenberg.
Dem Rektorat des Sylvius wurde ohne eigenes Verschuldenein jähes Ende bereitet. Im J. 1514 war sein SchwiegervaterJ. Gürtler Bürgermeister; als solcher geriet er mit dem herzog-lichen Hauptmann des Goldborger Gebiets, A. von Bock, in Streit.Tradition und Einträge des Stadtbuchs geben darüber Auskunft. 1 )Ein Bauer kaufte bei einem fahrenden Händler Wagenschmiereund wurde hierbei von einem betrunkenen Edelmann beleidigt undgeschlagen. Der Geschlagene wandte sich klageführend au denBürgermeister und dieser an den Hauptmann. Als der Hauptmannzu ruhiger Behandlung der Sache mahnte, zieh ihn der hitzigeGürtler der Parteilichkeit, und Bock drohte ihm deshalb mit einerBeschwerde bei dem Hofe in Liegnitz. Der Stadtschreiber suchtezu vermitteln, und der Hauptmann war bereit, die Beschwerde zuunterlassen, wenn Gürtler selbst darum bäte. Dazu war der Bür-germeister nicht zu bewegen, und so wurden beide nach Liegnitzgeladen. Wie er einst, 1492, von dem Goldborger Rate, weil er„alle Burger und Herrn des Rothes manchfeldig mit seynem bößenMaule geschouldin had", in den Seizerturm gesetzt und mit 10 Markgestraft worden war 2 ), so wurde Gürtler auch diesmal in Liegnitzeingekerkert und auf herzoglichen Befehl sein Gut in Goldbergvom Rate mit Beschlag belegt. Die Erbitterung teilte sich auchseinen in Goldberg angesessenen Söhnen Adrian und Sebastianmit. Sie wurden, weil sie Drohungen gegen den Fürsten ausge-stoßen hatten, ebenfalls wegen ihres ungebärdigen Betragens „in
') Claius, Schola Bl. N. 2. St. A.-Br. Stadtbuch, 1514 Mittwoch nachElisabeth.
J ) St. A.-Br. Stadtbuch. Vgl. Bauch, Gürtler S. 160.