3g Die gehobene Stadtschule.
Als Johannes Dantiscus den bischöflichen Stuhl von Culmbestiegen hatte, wandte auch er der Schule rege Aufmerksamkeitzu, und nach seiner entschiedenen Art griff er ziemlich rücksichtslosin die bestehenden Verhältnisse ein. Er hielt sich zuerst an dieBrüder. Da die Mittel derselben versagten, erfahren wir jetztnichts mehr von ihrer Mitwirkung bei der Schule; der Bischofnahm die Angelegenheit ganz allein in die Hand, und sein Gehilfewar Wildenberg. Zu Ostern 1537 bat Wildenberg den Bischofum Zusendung der bei Krakauer Druckern bestellten Eröffnungs-anzeigen für die Schule, da es Zeit wäre, sie überall anzuschlagen,weil sich schon Schüler eingefunden hätten, die auf die Eröffnungder Anstalt warteten. Er ersuchte ihn sogar wegen Mangels anLehrkräften um einen wenig fähigen Bakkalaureus aus seiner Um-gebung. Im Juli 1537 verwendete er sich für den krank ge-wesenen Bakkalaureus J. Himmelreich aus Hirschberg in Schlesienbei Dantiscus und teilte ihm gleichzeitig mit, daß er die Neffendes Bischofs, A. Reiße und J. Lehmann, dem Bakkalaureus zumPrivatunterricht übergeben habe. Himmelreich führte am Tagedes hl. Johannes Evangelista auf dem Rathaus mit seinen Schülerneine Komödie auf, kündigte aber schon am 14. Jan. 1538 seineStellung. 1 ) Der neue Culmer Bischof Tiedemann Giese, selbst einSchüler des Partikulars, nahm sich der Schule nicht weniger alssein Vorgänger, der indes den Stuhl des Ermlands übernommenhatte, und mit diesem zugleich auf den Landtagen und bei demKönig an. Aber erst 1554 kam es, nachdem die Culmer Schulebis dahin ihr Leben ziemlich kümmerlich gefristet hatte, zur Grün-dung einer neuen lebensfähigeren Anstalt, des akademischen Gym-nasiums, das der Rat der Stadt Culm auf Veranlassung des BischofsJohann Lubodzieski unter Bezugnahme auf das alte, 1383 vonPapst Urban VI. dem Hochmeister des deutschen Ordens KonradZöllner von Rothenstein und seinen Brüdern erteilte Privilegiumfür die Errichtung einer Universität 2 ) ins Leben rief.
"Wenn wir nun auch bei der Entwicklung der Schulangelegen-heit die Mitwirkung Wildenbergs nicht durchgängig haben verfolgenkönnen, so geht sie doch weiter aus seinen für die Anstalt ver-faßten Werken hervor.
') Hipler, F., Beiträge zur Gesch. der Renaissance u. des Humanismus ausdem Briefwechsel des Johannes Dantiscus. Zeitschr. f. Gesch. u. Altertumsk.Ermlands 9 (1887), S. 471—572. S. 544.
*) Bauch, Gürtler S. 164.