Gürtler als Reformator der Goldberger Schule (seit 1504). 13
wie die Brüderniederlassung geschädigt wurde und endlich erlag,und als es sich darum handelte, sie zu ersetzen. Wir erfahren aberbedauerlich wenig über die Einrichtung der Anstalt und über seineWirksamkeit an ihr und können nur annehmen, daß die CulmerSchule für ihn zum Modell seiner eigenen Schöpfung in Goldbergwurde. Spuren weisen darauf hin, daß er schon in Culm nichtnur als Lehrer, sondern auch als Grammatiker tätig war.
3. Gürtler als Reformator der Goldberger Schule(seit 1504).
Die alte und nicht anzuzweifelnde Goldberger Tradition x ) erzählt,Gürtler habe 1504, durch eine Teuerung veranlaßt, mit einer be-trächtlichen Zahl seiner Schüler Culm verlassen, um mit ihnen nachGoldberg zu wandern und dort eine Partikularschule ins Leben zurufen. Yon einer Teuerung in Preußen zu dieser Zeit ist uns sonstnichts bekannt, und man könnte daher eher an einen Ruf aus Gold-berg in das erledigte Rektorat der Stadtschule denken. Von derBefugnis des Komturs, die Stelle zu besetzen, wußten später nurvom Rate geschlossene Verträge, von denen allein Wenzel in seiner„Goldberga" Notiz genommen hat, zu erzählen; aber der Komturund der Rat der Stadt müssen sich bei der Annahme Gürtlers alsSchulmeister der Stadtschule freundnachbarlich die Hand gereichthaben, so daß die Mitwirkung des Komturs nachmals ganz in Ver-gessenheit geriet. Da aber das vorhandene Schulgebäude für dieunerwartete Menge der Schüler nicht ausreichte, wurde es vomRate durch einen Neubau an der Stelle des Hauses der Reichenund des Hauses der Armen (das sind wohl die beiden alten Seel-häuser oder Konvente gewesen) ersetzt. Nach der Tradition halfenGürtler und seine Schüler selbst an dem Werke, Gürtler soll imMörtel einen goldenen Ring verloren haben, und die armen Schülerwurden indes um Gottes willen verpflegt. Den Ehrentitel einesMitbegründers der Schule darf auch Herzog Friedrich II. vonLiegnitz beanspruchen, da Gürtler sagt, er habe „monitu et con-sensu" dieses Fürsten das „Studium" eingerichtet 2 ), und auch seinLiegnitzer Kanonikat 3 ) ist wohl als eine Unterstützung der Sache
«) Claius, Schola Bl. M8\ Bauch, Bart S. 18.
8 ) Wildenberg, H., Totius naturalis philosophiae epitome. Basileae1544. Widmung Bl. a 3. S. Anm. 56.
») Album Academiae Vitebergensis ab a. Ch. 1502 usque ad a. 1560. Exautographo ed. C. E. Foerstemann. Lipsiae 1841. VIII, 373 S. 4".