625
lieber Demuth dem Gebot der Götter und des Vaters zum Opferergeben; sie vollbringt auch das Opfer, von dem Anbauch des Lie-bens und Geliebtseins durchwärmt, erhoben in dem Bemiihn, denSchmerz der Mutter und des Geliebten zu beschwichtigen, sie mitdem Vater zu versöhnen , übergossen mit jener Anmuth, die nochdem Leid, dem nahenden Tode Reize zu leihen weiss. Dies istder Zustand, in den der Gesang, den wir mitlheilen, tritt.
Nun spiele man ihn vorerst blos am Klavier, oder singe ihnmit Hinweglassuug und ohne Berücksichtigung des Textes: so wirdman der Sanftmut!), der stillen Versenkung zum Schluss des ersten,der erhöhten Bewegung zu Anfang des zweiten Theils inne werden,wird den Grundton des Ganzen, sanftbewegte Anmuth, vernehmen.Dann aber gehe man in das Einzelne, — und man wird es mitem-pfinden, wie bei dem jusqtüau tombeau dem innern Auge Iphigeniensdie Schauer der zu früh geöffneten Gruft nicht verborgen blieben,wie sie nicht etw’a in erkünsteltem Pathos oder Heroismus das mensch-liche Gefühl erdrückt oder ver hehlt, doch aber in ihrer Pietät es zuüberwinden vermag. Und wie anmuthig und voll Adel beugt siesich bei dem Out, saus le fer de Calchas im Geiste schon unterdas Opfermesser des Priesters ! wie weilt sie in den letzten Augen-blicken bei dem Geständuiss ihrer Liebe, dem letzten Liebespfandfür den bald Verlassnen, wie jungfräulich scheu eilt sie leicht undflüchtig über das et rnon dernier soupir weg, dass nun, nach solchenRegungen, das que pour vous anspruchlos, ohne Bedürfnis undKraft zu besonderm Nachdruck hingegeben wird! Es Hesse sich dietiefe Wahrheit der Konzeption in jeder Note nachweiseu. Unddoch ist die volle Bedeutung dieses Gesangs nicht ohne durchdrin-gende Betrachtung des ganzen Karaklers und der ganzen Oper zufassen.