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Oder es kann bei einem Solo vorzutragenden Liede der Schlusssatz(als sogenannter Refrain) vom Chor gesungen werden. Oder eskann nach einem Chorsatz ein neuer Satz für Solostimmen folgenund dann der Chorsatz wiederholt werden, so dass die zweite Ron-doform —
HS SS HS
Chor Solo Chor
heraustritt. Aehnlicher Kombinationen sind noch manche theils schonversucht, theils noch möglich. Wir werden deren später kennenlernen.
Der andre Fall, das gleichzeitige Wirken von Solo und Chor,ist, wenn nur eine Solostimme dem Chor gegen Übertritt, so anzu-sehn, als diente der Chor der Solostimme nur zu einer mehr oderweniger eigenthümlich gestalteten und ausgebildeten Begleitung.Denn aus doppelten Gründen muss der Solostimme eine vorherr-schende Stellung gegeben werden •, einmal, weil sie als Organ einereinzelnen Person ein bestimmtes Individuum darstellt, das, gegen-über einer verbundnen Masse von Individuen, vornehmliche Bedeu-tung behauptet; dann, weil nur in hervorgehobner Stellung eineeinzelne Stimme sich der materiell überwiegenden Masse eines Chorsgegenüber vernehmbar und geltend machen kann.
Wenn endlich mehrere Solostimmen dem Chor gegenüberstehn(wie wir unter andern in Haydn’s Oratorien und Beethoven’sgrosser 31esse sehen), so treten die Grundsätze vom Doppelchorein; die Solostimmen stellen den einen Chor dar, der wirklicheChor den andern. Auch hier muss aus den oben erwähnten Grün-den durch Hervorhebung der Solostimmen und Unterordnung desChors in den Momenten, wo beide gleichzeitig wirken, dafür gesorgtwerden, dass die erstem vernehmbar und in der ihnen gebührendenBedeutsamkeit hervortreten.
Was nun den Satz der Solopartie betrifft, so scheint es —sobald er von der Anordnung des Komponisten abhängl — ratbsam,die Solopartie nicht in gleicher Stimmzahl mit dem Chor, sondernin minderer zu setzen. Denn jede Stimmzahl bringt (wie wir ausden ersten Theilen des Lehrbuchs wissen) eine besondre Satz-weise mit sich, die von der einer andern Stimmzahl sich karakte-ristisch unterscheidet; man denke an die Karakterverschiedenheitder drei-, vier-, fünfstimmigen Choräle und Fugen. Ein drei- oderzweistimmiger Solosalz wird sich daher von einem vier- oder fünf-stimmigen Chorsatze nicht blos durch Besetzung und Inhalt, son-dern auch durch die der Stimmzahl eigne Behandlung unterscheiden.Dies bedarf kaum eines weitern Nachweises; daher sei nur aufeinen dafür sprechenden Fall hingewiesen, auf den Chor mit Solo)Der Herr ist gross in seiner Macht