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die mit dem fernem Inhalte der Komposition formell gar nichtsgemeinsam hat, nur auf ihren Sinn einführt, — dies aber mit derMacht Bach’scher Wahrheit und Tiefe; — eine jener unsterblichenSchöpfungen im engsten Raume.
Einer Anleitung bedarf es hier weiter nicht; die etwa wün-schenswerlhe Vorübung ist S. 455 u. f. gegeben.
Sechster Abschnitt.
Die freien Figuralformen.
In der abstrakten Lehre des zweiten Theils dienten uns diefreien Figurationen als Vorbereitung zur Fugenform; schon damalswar die innige Verwandtschaft, das Ineinaudergehn beider Formenbemerkt worden.
Einer Vorbereitung zur Singfuge konnte es jetzt nicht mehrbedürfen, und so gehen wir den umgekehrten Weg von ihr zu denfreien Figurationen.
Die freie Figuration tritt für den Chorgesang ein, wenn einText durch gesprochen, polyphon durchgenommen werden sollund sich zur eigentlichen Fugenform nicht hinlänglich festgeschlossenoder sonst diese Form sich nicht genugsam motivirt findet. In dieserBestimmung schon, die der Natur der Sache nach nicht anders alsnegativ ausfallen konnte, sieht man, warum wir diese Formen derfesten Fugenform nachfolgen lassen. Das Unbestimmtere und darumGesetzlosere wird leichter und sicherer gefasst, wenn das Feste vor-angegangen ist*).
Freie Figuration haben wir schon an mehrern der vorange-schickten Beispiele vor uns gehabt; es waren das Sätze (z. ß.No. 436, 480), die sich vermöge der polyphonen Ausgestaltung allerStimmen unter diesen Begriff (Th. II, S. 196) stellten. Allein dieGrundlage war eben Satzform; der Text war durch die polyphoneBehandlung zu reicherer Geltung gekommen, hätte aber auch ein-fach gesetzt werden können.
Oft ist dies nicht ohne Beeinträchtigung des Textgehalls mög-lich. Wenn z. B. Seb. Bach in seiner Matthäi’schen Passion er-zählt, wie die Hohenpriester und Pharisäer sich sämmtlich zu Pilatusdrängen und sprechen :
*) In der frühem Lehre mussten wir den umgekehrten Weg nehmen, weildie Fugenform zu viel des Neuen auf einmal gebracht hätte.