Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
485
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Worte nicht abfallen will hindern; drittens würde der be-stimmtere, der eigentliche Hauptgedanke aus dem Hauptsatze derKomposition, aus der Fuge verdrängt und könnte nur zu einem An-hänge, gleichsam zu einem Schlusssätze für die Hauptpartie (S. 484) be-nutzt werden, hier aber nicht zu gebührender Beherzigung kommen.Diese Ausführung bestärkt sich, wenn man des Grundgedankens derFuge sich erinnert: dass ein wichtiger Gedanke zuerst von Einemaufgefasst wird, dann einen Zweiten, Dritten , nach und nach Alleergreift. Allgemeine Gedanken, wie unser ,, Lobet den Herrn,sind Gemeingut Aller, liegen in eines Jeden Sinne schon reif undbereit; sollen sie zum Ausspruch kommen, so ist es ihrer Naturgemäss, dass Alle gleichzeitig oder im schnellsten Aneinanderschlies-sen sie bekennen. Der besondre Gedanke dagegen wird seiner Na-tur nach erst von irgend Einem erlässt und ausgesprochen, und gehtdann von diesem auf Andre und Alle über. Dies ist aber der Sinnder Fuge.

Dritter Abschnitt.

Der Grundbegriff der einfachen Singfuge.

Nach der Verständigung über den Text und nachdem wir dieFngenform längst im Abstrakten kennen gelernt, bedarf es wiedernur allgemeiner Betrachtungen und einzelner Fingerzeige für dieSingfuge. Es wird hierbei die etwaige Einleitung derselben, dieUnterbrechung durch fremde Zwischensätze und die Zuziehung vonInstrumentalbegleitung ganz bei Seile gelassen. An der Stelle derLetztem werden wir nur in gewissen Fällen eines gehenden Bas-ses (basso continuo) bedürfen.

Die Singfuge nun bietet zwei Seiten: einmal insofern

sie eine Form ist, in der ein bestimmter Text zu musikalischemAusdrucke kommt; dann als Musikstück, das schon als solchesvermöge seines musikalischen Inhalts auf uns wirkt. Beide Seitenmüssen nolhwendig mit einander vorhanden sein; doch kannbald die eine, bald die andre vorwalten. Sonach hat die Singfugezwiefache Bestimmung an sich und kann bald der einen, baldder andern zugeneigter sein. Sie kann erstens ihrem eigenthüm-liehen Sinne gemäss angewendet werden als eine Kunslform, in dersich dieser bestimmte Gedanke, das Thema, oder vielmehr derSinn des Textes, der die Fugenform um seiner selbst willen, nachseiner eignen Bedeutung erfodert, angemessen ausspreche. Odersie kann zweitens als eine bedeutende und bei beliebig weiter