über das Wort hinaus zur vollen Herrschaft kommt — die grössereAusführlichkeit der Musik, die wir überall kennen gelernt, bedingt.
Einer eigenthiimlichen Anwendung des Arioso ist hier noch zugedenken, wenngleich wir sie seit Seb. Bach nirgend, — oderdoch nirgend in so bestimmter Gestaltung wieder gefunden.
Es finden sich nämlich bei jenem Meister, namentlich in seiner3Iatthäi’schen Passion, öfter Sätze, die er als Rezitative be-zeichnet. Der Gesang wird in ihnen von einer oft so eigen ge-zeichneten und reich benutzten Begleitung getragen, — wir gebenhier ein Paar Begleitungsmotive, —
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dass der Satz ohne Frage taktmässig vorgetragen werden muss.Dabei herrscht in der Singstimme zwar der Redeausdruck vor,neigt sich aber bei jedem Anlass den bestimmtem musikalischenMotiven zu. Diese Motive werden nicht nach der Weise musika-lischer Formen durchgeführt, es entsteht kein Lied (wie wir esaus Th. II, S. 18, kennen), keine Arie (vielmehr folgt eine Ariein der Regel für dieselbe Stimme nach), sondern eine Mittelformzwischen dem freien Rezitativ und dem Liede, die vom erstem denInhalt, vom letztem die festere Form und selbständige Abschlies-sung, wenn auch nicht die Einheit der Tonart an sich hat, mitletzterer aber sich auch vom eigentlichen Arioso unterscheidet, dasnur ein ungetrennler Theil eines Rezitativs ist. — Älit dieser Mit-tel- oder Mischform ist also die Kunstform des Rezita-tivs systematisch abgeschlossen, denn in ihr geht sie zu andernFormen über*).
Ueberblicken wir nun alle aus dem einfachen Rezitativ hervor-gegangnen Formen, so erkennen wir jede in ihrer Nothwendigkeitfür die mannigfachen, dem Rezitativ eignen oder sich aus ihm ent-wickelnden Ausdruckweisen. Aber wir überzeugen uns zugleich,dass das für Belehrung und Ausbildung zunächst undhauptsächlich Wichtige das einfache Rezitativ bleibt.In ihm lernen wir musikalisch sprechen, und zwar ist es nur diereine musikalisch gewordne Rede, die es bietet, die wir aber alsetwas bis jetzt uns ganz Neues und nirgend sa unbedingt reinWiederkehrendes als vorzüglichen Gegenstand für unsre Ausbildunganzuerkennen haben. Dagegen ist alles Weitere, — die Bildungvon Sätzen, die Durchführung musikalischer Motive, das Liedför-
*) Zu bestimmterer Anschauung geben wir als Beilage I eins dieser Re-zitative im Klavierauszug.