ausspricbt, so fehlt diese auch der Melodie des Rezitativs nicht; dasRezitativ bewegt sich über irgend einem Akkord, oder irgend einerReihe von Akkorden. Aber da es überhaupt keine bestimmt ge-schlossne Form hat, so bedarf es auch keines bestimmten Modula-tionsgesetzes. Es wählt seine harmonische Unterlage nur nach deminnerii Bedürfnis seines Inhalts und ist sogar an die im Wesen ge-wisser Akkorde oder der Modulation überhaupt liegenden Gesetze(nothwendige Fortschreitung gewisser Töne oder ganzer Akkorde,Zusammenhang der auf einander folgenden Harmonien) weniger strenggebunden, als irgend eine andre Musikform. Es ist daher auch nichtim Mindesten zu Einheit der Tonart oder Schluss in einer Hauptton-art — etwa der zuerst ergriffnen — genöthigt, obwohl es in derRegel ebensowohl wie die ganz unmusikalische Rede das Bediirl-niss haben wird, sich ein bestimmtes und deutliches Ende zu setzen,also einen musikalischen Schluss zu machen.
Zur schnellem und treffendem Angabe der Harmonie, wie zuräusserlichen Unterstützung des Gesangs (damit er die richtige Ton-folge sicher treffe und festhalte) bedarf das Rezitativ einer Beglei-tung. Allein diese kann von Haus’ aus nur untergeordnete Be-deutung haben, da die Rede noch nicht eigentlich Musik gewordenist; sie ist zunächst nichts, als Befestigung der Tonfolge.
Wir haben schon oben darauf hingedeutet, dass der Unterschiedvon Rezitativ und Rede mehr in der Bestimmung der Tonfolge alsin der Bestimmung des Rhythmus, oder der Längen und Kürzenliege. Jene ist durchaus nothweudig; denn ohne sie würden wireben die bloss natürliche, gar nicht musikalische Rede vor uns haben.Dagegen ist bestimmte, festgeformte und festgehaltene Rhythmikdem Rezitativ, das eben keine bestimmt ausgeprägte Form hat,nicht eigen, sondern eher zuwider. Daher ist ihm auch schär-fere Ausmessung der Längen und Kürzen, Takt halten — ingenau gegen einander abgemessenen Vierteln, Achteln u. s. w. —durchaus fremd. Es unterscheidet nach den Gesetzen der Spracheund des Redeinhalls Längen und Kürzen, accentuirte und nicht accen-tuirte Momente, und zwar in verschiednen Abstufungen; aber esbleibt hierbei der Ungebundenheit der Rede getreu oder doch näher,als der Bestimmtheit des musikalischen Taktes. — Wenn demunge-achtet die Rezitative mit Noten bestimmter Geltung und in der Re-gel im Viervierteltakte geschrieben werden, so geschieht diesnur, um dem Sänger und der Begleitung, zumal im Orchester,festem Anhalt zu geben. Die niedergeschriebnen Viertel, Achtel,Sechszehniet u, s. w. sollen nicht streng gemessen werden, sondernnur Längen und Kürzen bedeuten, allenfalls in mannigfaltigen Ab-stufungen, — so dass also Achte! um ein Unbestimmtes kürzer alsViertel, aber um ein Unbestimmtes länger als Sechszehntel u. s. w.