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3 (1857)
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Offenheit nimmt oder verkümmert*). In dieser Hinsicht wirdman also das, was mit Gewicht, mit Eindringlichkeit gesprochenwerden soll, in der Komposition nicht dem Falsett, sondern derRegion der Brusttöne anzuvertrauen haben.

ln Bezug auf den blossen Stimmklang, abgesehn von der Sprache,zeigt sich die Bruststimme kernig, fest, voll, aber weniger beweglich,die Falsettslimme von geringerer Kraft und Ausdauer, aber oft wei-cher oder flötender und beweglicher besonders für engere, z. B. dia-tonische Tonfolgen. Jedenfalls ist die Tonreihe des Falsetts für diemeisten Sänger (besonders für Sopran und Tenor) nicht zu entbeh-ren. Man wird daher von der Bruslslimme, als der vornehmsten,ausgehn und ihr, so viel der Gang der musikalischen Gedanken zu-lässt, besonders das kräftig und ausdrucksvoll Vorzulragende anver-trauen, die Falsellstimme aber für leichtere Bewegungen, z. B. Läufeund Koloraturen, oder da, wo es eines weitern Tongebiets zur Aus-führung der musikalischen Idee bedarf, benutzen. Auf die Frage,wo die hiernach so wichtige Grärize der Register zu linden, werdenwir bei den Slimmklassen zurückkommen. Es sei nur gleich imVoraus bemerkt, dass auch hier eine scharfe Gränze nicht zu ziehenist; denn eines Theils findet sie sich bei den einzelnen Singenden,auch derselben Slimmklasse, um eine, zwei drei Stufen höheroder tiefer gestellt, andern Theils kann jeder nur einigermassen ge-übte Sänger seine Bruststimme um ein Paar Töne höher führenund die Falsettstimme um ebensoviel tiefer eintreten lassen.

Eine noch höhere Reihe, als die gewöhnlich im Gesang gebrauch-ten Falsetttöne, ein zweites und bisweilen ein drittes Register der-selben (man könnte sie Vogeltöne nennen), entfernt sich nochweiter von der Region des ausdrucksvollen und sprachlichen Ge-sangs. Sie kann nur im Sologesang in sogenannten ßravoursätzenoder Koloraturen zur Anwendung kommen, hier aber allerdings (wieMozart in den Arien der Königin der Nacht gezeigt hat) eigen-tümlichen Reiz üben. Nur ist dieser Reiz, die ganze Wirkungder hohen und höchsten Falsetttöne gewissermassen mehr instrumen-taler als gesangartiger Natur; denn das, was den Kern und Werthdes Gesangs ausmacht: Seelenausdruck und innigste Beseelung derSprache, tritt hier noch mehr, wie bei dem untern und häufigerangewendeten Falsett zurück.

5. Die Stimmklassen.

Die Singslimmen unterscheiden sich bekanntlich zunächst hachdem Geschlecht in männliche und weibliche; den letztemwerden wegen der gleichen Stimmlage und unentwickelten Mann-

*) Die Frauen sprechen meist in solcher Stimmlage ; daher ist ihre Laul-gebung so oft undeutlich und unkräflig. Sie flöten mehr als sie sprechen.