Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
256
Einzelbild herunterladen
 

236

verschmilzt ihn mit den übrigen Partien des Tonstucks mehr zu eineminnig einigen Ganzen; sie lässt ihn nicht stehen, wie imRondo geschieht, sondern bringt ihn in Bewegung, nach an-dern Tonarten, zu andern Sätzen und Gängen hin. Daher ist hierdie zwei- und dreitheilige Liedform viel zu fest abgeschlossen undstetig; man wird sie nie, oder nur in seltnen Fällen (dem Verfasserist keiner erinnerlich) angewendet und anwendbar finden.

Die Sonate liebt vielmehr, ihrem Hauptgedanken

A. die Satzform

zu geben. Allein diese engste aller abschliessenden Formen würde,für den Hauptgedanken eines grossem und inhaltreichen Tonstückesangewendet, zu wenig Gewicht haben. Daher wird es Bedürfnis.?,

1) den Satz innerlich zu erweitern

und

2) durch Wiederholung zu befestigen. .

So verfährt Beethoven in seiner geistreichen l?sdur-Sonate,Op. 29 oder 31. Dies

'i:

ist der Satz, der ihm als Hauptsatz, mithin als Hauptgedanke sei-nes ganzen Tonstückes dient. So eng begränzt er für diese Bestim-mung erscheint, so wollen wir doch nicht übersehn, dass er schonfür sich als Satz einen ungewöhnlich reichen Inhalt hat; der ersteTakt wird wiederholt; das nächste Motiv (das in den beiden folgen-den Takten enthaltne) wird wiederholt und vorwärts geführt; dasGanze hat eine Ausdehnung von acht Takten und umfasst minde-stens drei verschiedne Motive, den siebenten Takt für Eins gerech-net. Nicht also jeder Satz, nicht der Satz auf seiner unterstenStufe, sondern der entwickeltere und damit bereicherte erscheint fürunsern Zweck geeignet. Wie aber ein solcher Satz sieb bildet,wird aus Th. II, S. 27 u. f. als bekannt vorausgesetzt.

Dieser Satz nun muss nach seiner wichtigen Bestimmung undnach dem Reichthum seines Inhalts eingeprägt, gewichtiger werden. Beethoven geht daher vom Schlusston mit diesem Gange

-ft-rti - - ---

293 - = Fr~l~j-1?=L-

*) Hier und in den meisten folgenden Beispielen können und müssen Aus-züge und allerlei Abkürzungen und Andeutungen genügen.