Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
254
Einzelbild herunterladen
 

den vorherigen Gang erinnernd) befestigt wird und einen eben sokleinen Gang und Schlusssatz nach sieh zieht.

Hier .haben wir nun einen vollständigen ersten Theil (Haupt-satz, Gang mit der normalen Modulation über die zweite Dominantein die Dominante des Haupttons, Seitensalz, Gang und Schlusssatz)vor uns, allein in den Raum von dreissig Takten zusammenge-drängt, ungeachtet der festen und sättigenden Ausbildung des Haupt-satzes.

Nun bildet sich aus dem Hauptmotiv des Hauptsatzes ein zwei-ter Theil. Nach dem Schlüsse des ersten in B ergreift der Bass gzunächst als neuen Grundton zu dem vorherigen b ; es wird aberdann der Dominautakkord von Cmoll darauf gebaut und hier, alsoin der Parallele des Haupttons, der Hauptsatz eingeführt. Schon imvierten Takte verwandelt er sich in einen Gang,

»» p

der von Unterdominanle zu Unterdominanle nach ^.?moll sinkt, dannüber j&smoll auf "die Dominante B und mit einem Orgelpunkte zumdritten Theil führt; dieser wird ganz normal dem ersten nachge-bildet. Der zweite Theil hat sechszehn, der dritte einunddreis-sig Takte.

Als drittes Beispiel diene das anmulh- und empfindungsvolleAndante in Mozarts ^moll-Souate, der sechsten des ersten Hefts(No. 6 der Einzelausgabe). Hier schliessen Haupt- und Seitensatz imersten und dritten Theile wieder in der Weise der Sonatinenform aneinander. Der zweite Theil hebt in der Dominante (in der Seiten- undSchlusssatz des ersten Theils gestanden) mit leiser Erinnerung anden Hauptsatz an, bringt aber dann neue Motive zur Ausführung,bis endlich der dritte Theil die Einheit des Ganzen wieder befe-stigt. Man könnte zweifelhaft sein, ob nicht ein Rondo fünf-ter Form vorläge, wäre nicht jene Erinnerung an den Hauptsatzgegeben und der weitere Inhalt bis zum dritten Theil gänzlich gang-artiger Natur. Nur die ersten sechs Takte, eben die an denHauptsatz anknüpfenden, bilden einen Satz, der aber unmöglichals zweiter Seitensatz in der fünften Rondoform (S. 192) genügenkönnte. Zudem ist uns die Weise Mozarts, von Erfindung zu Er-findung lieblich zu schwärmen (S. 220), schon bekannt. Sie hat ihrgutes Recht, wenngleich ihr die Vertiefung B e e t h o v e nscher Kon-zeption abgeht, die dann wieder an andern Orten auch jenem reichgesegneten Geiste vergönnt war.