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Einheit, wie keine der Rondoformen darbietet. — Dass übrigensdiese Operation an Beethoven’s Rondo schon aus innern Grün-den (die leidenschaftliche Unruhe des Ganzen fodert den im zweitenSeitensatze gebotenen beschwichtigenden Gegensatz) verwerflich seinwürde, kommt hier nicht in Betracht.
Die Sonaten form*) vollführt, was die vierte und fünfteRondoform begonnen hat. Sie thut dies im Allgemeinen in zwie-facher Weise. Einmal dadurch, dass sie das Fremde, — den zwei-ten Seitensatz, — das die fünfte Rondoform zwischen dem ver-schmolznen ersten und dritten Theile noch festhält, aufgiebt (wiewir oben S. 201 bloss aus formellen Gründen vorgeschlagen) undsich auf die enger vereinigten Partien beschränkt. Dies ist diekleine Sonaten- oder S ona ti n en form. Dann, indem sieeinen neuen zweiten oder mittlern Theil bildet, und zwar in Ein-heit mit dem ersten Theil, also aus dessen Inhalte. Dies ist dieeigentliche Sonaten form.
Beide Formen, oder vielmehr Arten der einen Sonalenformwerden für Sätze schneller wie langsamer Bewegung angewendet.Wir werden sie zuerst an erstem studiren, weil sie eben hier, wodie Bewegung von einem Satze zum andern und die Beweglichkeitder Sätze vorherrscht, ihre Natur am deutlichsten enthüllen. Diekleine Sonatenform würde übrigens kaum einer besondern Aufwei-sung bedürfen, wenn wir nicht damit zugleich der eigentlichen So-natenform vorarbeiteten. Aus diesem Grunde sei sie im Folgendengenau durchgenommen.
Erster Abschnitt.
Die Sonatinenform.
Diese Form ist bei dem ersten Hinblick als Zurückführungder fünften Rondoform auf zwei Theile durch Auswerfung desmittlern erschienen. Allein es versteht sich, dass solche Aufläs-sungsweise nur eine vorläufige Veranschaulichung beabsichtigte, uns
*) Sonate heisst bekanntlich (wie weiterhin zu besprechen sein wird) einaus mehrern abgesonderten Sätzen, z. B. aus Allegro, Adagio, Scherzo undFinale zusammengesetztes Tonsliick für ein (oder zwei) Instrumente. Mit demNamen Sonaten form aber bezeichnen wir — in Ermangelung eines andernbereits geläufig w'ordnen Namens — die ganz bestimmte Form eines einzigenTonstücks. Der hin und wdeder gebrauchte Name „Allegro“ oder „Alle-groform“ ist schon deswegen unangemessen, weil die Sonatenform auch häufigfür langsame Sätze angewendet wird.