Druckschrift 
3 (1857)
Entstehung
Seite
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lieh auf Vollständigkeit und folgerechte Entwickelung einer Gestaltaus der andern bedacht waren: so mussten unvermeidlich vieleGestalten hervorlreten (als Beispiele dienen No. 54, 55, 56), denennur ein geringes Interesse eigen sein kann; andre Gestaltungen,die vielleicht für sich allein ansprächen, konnten es nicht wegen zugrosser Aehnlichkeit mit andern, neben ihnen auftretenden. Schondie grosse Ausdehnung solcher Arbeiten macht ihre künstlerische Wir-kung bedenklich , da man nicht hoffen darf, die eigne und fremdeTheilnahme an demselben Grundgedanken ununterbrochen so langefestzuhalten; selbst die Musterarbeiten Beethove ns und Bachswird man nicht immer in ununterbrochner Folge sich und Anderndarstellen mögen.

Ferner haben wir bei den in den vorigen Abschnitten ange-ordneten Uebungen die Form und das Motiv jeder Variation sostetig, als nur die kunstgemässe Entwickelung des Ganzen irgenderlaubte, festgehalten. Auch dies ist (wie früher in der Liedformund bei den Figurationen) dem Uebungszwecke ganz entsprechend,wird aber oft eine gewisse Leere, oder auch Herbigkeit und Steif-heit nach sich ziehn, wenn das Motiv für längere Verfolgung ent-weder zu unbedeutend, oder auch zu eigensinnig und abgeschlossenist. Das Erstere wäre, bei weiter Ausführung, mit dem Motiv inNo. 56, 64 u. a., das Andre vielleicht schon bei dem Motiv vonNo. 57 der Fall.

Diese und ähnliche Bemerkungen leiten uns auf gewisseäusserliche Regeln,

unter deren Schutz wir wenigstens den gröbern Missständen auszu-weichen hoffen dürfen. Allein man wird schon im Voraus daraufgefasst sein, dass hier wie anderswo äusserliche Rathschläge füreine so von innen heraus lebende und bedingte Angelegenheit, wiedie Kunst ist, nur 'unzulänglich und zweifelhaft ausfallen müssen.Das Hauptsächlichste ist wohl Folgendes.

Erstens halte man in der Ausdehnung der Komposition Maass;man trachte nicht so viel wie möglich, sondern nur Antheilwürdiges, und von diesem auch nur Einiges, lieber zu wenig als zu viel,zu geben.

Zweitens halte man an der folgerechten Entwickelung derverschiednen Sätze aus einander nur so weit fest, als daraus keineEinförmigkeit der Gestalten zu befürchten ist. Wären daher dieMotive No. 54, 55, 56, 58, jedes für sich betrachtet, auch vomhöchsten Interesse: so würde es doch unklug sein, sie zu künstle-rischer Wirkung nach einander abzuhandeln. Vielmehr trachte man,die Reihe stetiger Entwickelungen da, wo sie zu ermüden droht,durch abweichende Gestaltungen zu unterbrechen, das Ganze durch

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