Druckschrift 
1 (1897)
Entstehung
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191
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goldnen Schnitt geformtes, Rechteck in Vergleich mit andernRechtecken. Das erste steht gegen die letzten dadurch in Vor-theil, dass es einen höhern Einheitsbezug einschliesst als diese;und es lässt sich wohl vermuthen, dass es hiedurch auch einen Vor-theil der Wohlgefälligkeit gewinne, da von den übrigen Wohlgefäl-ligkeitsbedingungen des Rechteckes nichts dadurch verletzt wird;aber da Rohere Einheitsbezüge schwerer fassbar sind als niedre,so fragt sich, ob dieser Vortheil erheblich oder überhaupt spürbarsei; und vollends fragt sich, ob bei Theilung einer Länge nachdem goldnen Schnitt nicht durch Verletzung des niedere aberfasslicheren Symmetriebezuges mehr verloren als gewonnen werde.Auch über diese Fragen lässt sich aus dem Princip der einheit-lichen Verknüpfung des Mannichfaltigen nicht entscheiden; undwenn man geglaubt hat, durch Philosophie darüber entscheiden zukönnen, so beweist sich die Unsicherheit dieses Weges dadurch,dass das auf demselben als allgemein gültig gefundene Resultat inder Erfahrung nicht eben so allgemein zutrifft.

Ausserdem kann gefragt werden, ob nicht auch das Principder musikalisch consonirenden Schwingungsverhältnisse in Rück-sicht komme, und einen Vortheil einfacher rationaler Verhältnissebeim Rechteck geltend mache *), ohne dass die Analogie allein hin-reicht, ihn zu beweisen.

Durch ästhetische Experimente aber hat sich eine sichre Ent-scheidung dieser Fragen finden lassen, welche weder mit Wolff,noch Heigelin, noch Zeising völlig zusammentrifft. Um die Re-sultate vorweg zusammenzustellen, so sind es folgende, die zwarnicht alle, aber grösseren Theils aus der folgends mitzutheilenden,Untersuchung hervorgehen, indess hinsichtlich der andern auf diekünftige Fortsetzung mehrerwähnter Schrift zu verweisen ist.

a) Unter allen rechteckigen Formen sind das Quadrat mitdenihmnächst stehendenRechtecken einerseits und die sehr langenRechtecke anderseits die ungefälligsten.

b) Das Quadrat scheint selbst von den ihm nächststehendenRechtecken noch an Wohlgefälligkeit Uberboten zu werden, oderhat höchstens einen zweifelhaften Vorzug vor ihnen.

*) Jetzt, wo man auf Grund von Helmholtzs Untersuchungen die Con-sonanzverhältnisse in der Musik von Verhältnissen der Obertöne abhängigmacht, wovon ein Analogon bei Seiten eines Rechtecks fehlt, lässt sich hieranfreilich von vorn herein nicht mehr so denken, wie früher.