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1 (1897)
Entstehung
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157
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nachzuhuschen, versetzt so zu sagen in dessen weibliche Stim-mung hinein.

Bei Burke (vom Soll. u. E. 216) lese ich Folgendes, was hieher gehört.»Spon erzählt uns in s. Recherches dAntiquite eine hieher gehörige, sonder-bare Geschichte, von dem berühmten Physiognomist Campanella. Dieser.Mann hatte, allem Ansehen nach, nicht nur sehr genaue Beobachtungen überdie menschlichen Gesichtszüge gemacht, sondern er besass auch in einemhohen Grade die Kunst, die merklichsten nachzumachen. Wenn er Lusthatte, die Neigungen derer, mit welchen er umging, zu erforschen, so nahmer, so genau als er konnte, das Gesicht, die Geberde, die ganze Stellung derPersonen an, welche er untersuchte. Und dann gab er genau Acht, in wasfür eine Gemüthsverfassung er durch diese Veränderung versetzt wurde.Auf diese Weise, sagt mein Schriftsteller, war er im Stande, so vollkommenin die Gesinnungen und Gedanken des Andern einzudringen, als wenn ersich in die Person desselben verwandelt hätte. So viel habe ich oft selbsterfahren, dass, wenn ich die Mienen und Geberden eines zornigen, sanft-müthigen, kühnen oder furchtsamen Menschen nachmache, ich in mir einenganz unwillkührlichen Hang zu der Leidenschaft finde, deren sichtbare Zei-chen ich nachzuahmen suche.«

Wäre nun die Erkenntniss des fremden Seelenzustandes ausseiner körperlichen Aeusserung Sache eines eben so entschiedeneninstincts als die Aeusserung selbst, so bedürfte es nicht erst derNachahmung zur genauem Erkenntniss. Von andrer Seite istnicht ausser Acht zu lassen, dass es sich hiebei um complicirteSeelenzustände handelt, womit nicht ausgeschlossen wäre, dassdoch die Aeusserungen der einfachsten Seelenbewegungeneben so sicher instinctiv verstanden als gethan würden. Wir kön-nen aber die Fragen in dieser Hinsicht um so leichter unentschie-den lassen, als sie in das Feld unsrer ästhetischen Betrachtungennicht eben tief eingreifen.

XIII. Vertretung des directen Factors ästhetischerEindrücke gegenüber dein associatiyen.

I) Vorbemerkungen.

Dass im Wandel und Streit ästhetischer Ansichten nicht blosder associative sondern auch directe Factor ästhetischer Eindrückemitunter Unrecht leidet, ist früher im Allgemeinen besprochen;