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1 (1897)
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IV. Princip der ästhetischen Schwelle.

Es giebt Vieles, was uns gleichgültig lässt, indess es dochseiner und unserer Natur nach wohl geeignet wäre, Gefallen oderMissfallen zu wecken, andermal auch wirklich erweckt. Das hängtallgemeingesprochen daran, dass sei es die Stärke der objectivenEinwirkung oder der Grad unserer Empfänglichkeit dafür oderunserer Aufmerksamkeit darauf nicht die sogenannte Schwelleübersteigt, das heisst\den Grad, von dem an die Einwirkung erstfür unser Bewusstsein spürbar wird.'y Es ist nämlich ein allge-meines, nicht blos für Empfindung von Lust und Unlust, aberauch für sie gültiges Gesetz, dass zum Bewusstwerden derselbenein gewisser Grad dessen gehört, woran sie äusserlich und inner-lich hängt; die Qualität der Bedingung reicht nicht aus, siemuss sich durch die erforderliche Quantität, den erforderlichenGrad, ergänzen. So lange nun dieser Grad nicht erreicht ist, sagenwir von den Bedingungen der Lust und Unlust wie von diesenselbst und dem davon abhängigen Gefallen und Missfallen, dasssie unter der Schwelle bleiben.

In der That so gewiss wir sein können, dass unzählige übleGerüche in der Luft schweben, wegen ihrer Verdünnung riechenwir in der Regel nichts davon. Die schlechtest schmeckende Me-dicin schmeckt uns doch nicht schlecht in homöopathischer Ver-dünnung. Für Vieles, was uns bei frischer Empfänglichkeit Lustgab, stumpft sich die Empfänglichkeit ab, ohne deshalb zu er-löschen, der Lustreiz muss nur verstärkt werden, um wieder Lustzu geben; und wie Vieles trifft zwar unsern Sinn aber zu wenigunsere Aufmerksamkeit und bleibt uns deshalb gleichgültig.

Je nach Rücksicht auf die äusseren oder inneren Bedingungendes Gefallens oder Missfallens kann man von einer äussern oderinnern Schwelle sprechen, welehe überstiegen werden muss, sollGefallen oder Missfallen mit einem wirklichen Lust- oder Unlust-werthe ins Bewusstsein treten. Beide Schwellen aber sind nichtunabhängig von einander. Für jeden bestimmten Grad der Em-pfänglichkeit und Aufmerksamkeit wird es einen bestimmten Gradder äusseren Einwirkung geben, der dazu überstiegen werdenmuss, hiemit eine zugehörige bestimmte äussere Schwelle; aberwie sich jene inneren Bedingungen ändern, wird eine grössere

Fe ehrt er, Vorschule d. Aestlietik I. 2. Aufl. 4