Druckschrift 
1 (1897)
Entstehung
Seite
184
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XIV. Verschiedene Versuche, eine Grundform derSchönheit aufzustellen. Experimentale Aesthetik.Goldner Schnitt und Quadrat.

1) Versuche, eine Normal- oder Grundform der Schönheit aufzustellen.

Nach den, im vorigen Abschnitte angestellten, Betrachtungengewinnt die Frage allgemeineres Interesse, welche Form-undFarbe-verhältnisse überhaupt einen Vorzug der Wohlgefälligkeit vor an-dern rücksichtslos auf Zweck und Bedeutung, kurz auf Associa-tion, in Anspruch nehmen können, und an welchen Bedingungender Vorzug hängt. Auch hat sich das Interesse dieser Frage, diehier blos in Bezug auf die Form Verhältnisse verfolgt werdensoll, schon hinreichend dadurch bewiesen, dass eine Unter-suchung darüber von Vielen aus mehr oder weniger allgemeinenoder speciellen Gesichtspuncten angestellt worden ist, ohne frei-lich bisher zulänglich angegriffen worden zu sein und zulänglicheErgebnisse geliefert zu haben.

Vielmehr haben die bisher nach mehr oder weniger unzu-länglichen Principien und Methoden angestellten Untersuchungenzumeist nur zu einer einseitigen oder übertriebenen Bevorzugunggewisser Formen oder Formverhältnisse als allgemeiner Normal-formen oder Normalverhältnisse der Wohlgefälligkeit oderSchönheit, wie des Kreises, des Quadrates, der Ellipse, der Wel-lenlinie, der einfachen rationalen Verhältnisse, des goldnen Schnit-tes geführt, denen sämmtlich nur ein bedingungsweiser Vorzugoder ein Vorzug innerhalb gewisser Gränzen zuzugestehen ist, wel-chen es vielmehr gilt richtig abzuwägen, als ins Unbestimmte zuverallgemeinern. Vielfach aber hat man gemeint, mit solchenFormen die Schönheit sichtbarer Gegenstände so zu sagen ab-machen zu können, ohne den viel wichtigeren Beitrag der Asso-ciation dazu sei es überhaupt oder in andern als nebensächlichenBetracht zu ziehen und bei der Untersuchung beide Factoren rechtzu scheiden, so dass, abgesehen etwa von Zeisings, wenn auchnicht einwurfsfreier, doch in gewisser Beziehung durch ihr Resul-tat werthvoller, Untersuchung alle jene Versuche im Grunde nurnoch ein historisches Interesse haben.

Der Kreis namentlich hat seit Alters als die Linie der Voll-kommenheit und hiemit Schönheit gegolten, wogegen Winckel-