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1 (1897)
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XV. Beziehung der Zweckmässigkeit zur Schönheit.

Dass ein Gegenstand, um überhaupt schön zu heissen, demZweck genügen muss, unmittelbar Wohlgefallen zu erwecken,wird nicht bestritten, sei es, dass man den Begriff der Schönheitselbst auf die Fähigkeit zu dieser Leistung stützt, wie von unsgeschieht, sei es, dass man diese Fähigkeit nur als eine, vom Wesendes. Schönen abhängig zu machende, Eigenschaft desselben an-sieht, den Begriff desselben aber anderswie bestimmt. Kant ha ~t~Jdiese Art der Zweckmässigkeit, wodurch das Schöne sich der Na-tur unsers ErkenntnissVermögens anpasst, die sub jective Zweck-mässigkeit genannt, wohl zu unterscheiden von der äussernZweckmässigkeit, welche in der Eigenschaft eines Gegenstandesbesteht, durch seinen Gebrauch oder Folgewirkungen seines Da-seins das Wohlergehen der Menschheit zu fördern, im Stande zuhalten, Nachtheile zu hindern. Es fragt sich, ob auch dieseäussere Zweckmässigkeit, folgends schlechthin unter Zweckmässig-keit zu verstehen, zur Schönheit wesentlich ist. Allgemeinge-sprochen gewiss nicht, da Gemälde, Statuen, Musikstücke unssehr schön erscheinen können, ohne einen andern als den subjec-tiven Zweck zu erfüllen, hingegen genug äusserlich sehr zweck-mässige Gegenstände, als Ackergeräthe, Maschinen, Wirthschafls-gebäude, Miststätten uns nicht nur nicht schön, sondern manchedavon selbst ungefällig oder gar hässlich erscheinen. Wonachman schliesst, dass auch da, wo sich äussere Zweckmässigkeit beischönen Gegenständen findet, wie bei den Werken der schönenArchitektur und Kunstindustrie*), einer zugleich schönen und ge-sunden Menschengestalt, die äussere Zweckmässigkeit als zufälligzur Schönheit anzusehen sei, und diese von andern Umständenabhänge. Die schönen Verhältnisse machen danach ein Bauwerk,

*) Ich gebrauche diesen Ausdruck zur zusammenfassenden Bezeichnungder Kunst der Gefässe, Geräthe, Möbeln, Waffen, Wappen, Teppiche, Klei-der. In der Abh. »Zur experimentalen Aesthetik« habe ich dafür Tectonikgebraucht, welchen Ausdruck Bötticher in s. Tectonik der Hellenen in glei-chem Sinne aber mit Einschluss der Architektur gebraucht hat, indess Sem-per (üb. d. Stil) blos die Zimmerei darunter versteht, und für den AusdruckKunstindustrie in obiger Bedeutung auch den Ausdruck »technische oderkleine Künste« hat.