Druckschrift 
1 (1897)
Entstehung
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I. Die Aestlietik von Oben und von Unten.

Die doppelte Weise, wie sich die menschliche Erkenntnisszu begründen und zu entwickeln strebt, macht sich auch in derAesthetik, der Lehre vom Gefallen und Missfallen oder nachAndern der Lehre vom Schönen, geltend. Man behandelt sienach einem kurzen Ausdrucke von Oben herab, indem man vonallgemeinsten Ideen und Begriffen ausgehend zum Einzelnen ab-steigt, von Unten herauf, indem man vom Einzelnen zum Allge-meinen aufsteigt. Dort ordnet man das ästhetische Erfahrungs-gebiet einem, von obersten Gesichtspunkten aus construirten,ideellen Rahmen nur ein und unter; hier baut man die ganzeAesthetik auf Grund ästhetischer Thatsachen und Gesetze vonUnten an auf. Dort handelt es sich in erster und zugleich höch-ster Instanz um die Ideen und Begriffe der Schönheit, der Kunst,des Stils, um ihre Stellung im System allgemeinster Begriffe, ins-besondre ihre Beziehung zum Wahren und Guten; und gern steigtman damit bis zum Absoluten, zum Göttlichen, den göttlichenIdeen und der göttlichen Schöpferthätigkeit hinauf. Aus der reinenHöhe solcher Allgemeinheiten steigt man dann in das irdisch-empirische Gebiet des einzelnen, des zeitlich und örtlich Schönenherab, und misst alles Einzelne am Massstabe des Allgemeinen.Hier geht man von Erfahrungen über das, was gefällt und miss-fällt, aus, stützt hierauf alle Begriffe und Gesetze, die in derAesthetik Platz zu greifen haben, sucht sie unter Mitrücksicht aufdie allgemeinen Gesetze des Sollens, denen die des Gefallensimmer untergeordnet bleiben müssen, mehr und mehr zu verall-gemeinern und dadurch zu einem System möglichst allgemeinsterBegriffe und Gesetze zu gelangen.

rechnet, Vorschule d. Aestlietik. I. 2. Aufl.

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