Druckschrift 
1 (1897)
Entstehung
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3) Methoden ästhetischer Experimentaluntersuchung. Beispiel einer Ausfüh-rung der Methode der Wahl. Resultate insbesondere in Bezug aufgoldnen Schnitt und Quadrat.

In mehrerwähnter Schrift zur exp. Aesth. S. 602 stelle ichdrei Methoden zur Anwendung in unserm Untersuchungsfelde auf,die ich als Methode der Wahl, Methode der Herstellungund Methode der Verwendung unterscheide.

Nach der ersten lässt man viele Personen zwischen den, hin-sichtlich ihrer Wohlgefälligkeit zu vergleichenden, Formen oderFormverhältnissen wählen, nach der zweiten das nach ihremGeschmack Wohlgefälligste durch sie selbst herstellen, nach derdritten misst man im Gebrauche vorkommende Formen oderFormverhältnisse. Diess alles mit Vorsichten und Rücksichtenzur möglichsten Vermeidung der unter 2) bezeichneten Fehler,worüber ich auf die Schrift selbst verweisen muss. Alle dreiMethoden haben sich im Resultat möglichst zu controliren. Hierwerde ich mich beschränken, ein Reispiel der Ausführung derMethode der Wahl mit einer Controle ihrer Resultate durch dieMethode der Verwendung anzuführen. Zur Orientirung über diespecielle Absicht dieser Untersuchung aber ist Einiges vorauszu-schicken.

Von vorn herein lässt sich als sehr allgemeines Princip directerForm Wohlgefälligkeit das früher besprochene der einheitlichenVerknüpfung derMannichfaltigkeitaufstellen, indem sich demselbenausser der Symmetrie auch die andren S. 183 erwähnten Formen undVerhältnisse, welchen ein Vortheil directer Wohlgefälligkeit zu-kommt, zwanglos unterordnen. Inzwischen lässt diess im Allgemei-nen gültige Princip besprochenermassen grosser Unbestimmtheit imEinzelnen Raum, und vermöchte man den relativen Vortheil derWohlgefälligkeit dieser und jener Formen danach nicht a priorivorauszusehen. Nehmen wir z. R. das Quadrat in Vergleich mitdem Rechteck. Im Quadrat ist die einheitliche Beziehung derTheile durch Gleichheit aller Seiten, aller Winkel und gleichenSymmetriebezug aller Seiten zur Mitte vollkommner durchgeführtals in jedem Rechteck, aber die Mannichfaltigkeit am geringsten.Das Princip lässt uns nicht entscheiden, ob im Rechteck durch dievergrösserte Mannichfaltigkeit mehr gewonnen als durch die ver-minderte Einheit verloren wird. Nehmen wir ein, nach dem