Druckschrift 
1 (1897)
Entstehung
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gefälligkeit durch einen geringen Nachtheil der Angemessenheitzum Sinne oder zur Wohlgefälligkeit des Sinnes erkauft wer-den kann. So muss in einem Gedichte selbst eine mindergünstige Gedankenwendung vorgezogen werden, wenn die gün-stigere sich demVersmasse und Reime durchaus nicht fügen will,und lässt man in der Architektur die Symmetrie der Seilentheileeines Gebäudes auch dann gewöhnlich noch durchgreifen, wenndieselben einer verschiedenen Bestimmung dienen, was nach all-gemeineren Kunstprincipien vielmehr zu einem Ausdruck derInnern Verschiedenheit durch eine symbolisch oder teleologischzugehörige äussere auffodert; ohne damit auszuschliessen, dass esauch Gebäude geben darf, in denen die Symmetrie ganz gegenüberwiegende associative Motive zurjickgestellt wird.

Kann man hienach dem Factor directer Wohlgefälligkeit selbstin den höhern Künsten der Sichtbarkeit seine wichtige Bedeutungnicht absprechen, so wächst doch dieselbe, wenn wir von Plastikund Malerei zur Architektur und von dieser zur Kunstindustrieoder den sog. technischen Künsten und der Ornamentik herab-gehen; indem nach Massgabe dieses Herabgehens einerseits derassociative Factor selbst an Bedeutung in Verhältniss zum directenverliert, anderseits Gonflicte des directen mit dem associativenminder leicht eintreten. Namentlich gewinnt in diesen Kunst-gebieten-die anschaulich verknüpfte Mannichfaltigkeit eine erhöhteWichtigkeit, wohin die Symmetrie, der goldne Schnitt, das regel-mässige Muster, die Wellenlinie, die Volute, der Mäander u. s. w.gehören, was Alles in den höhern Künsten der Sichtbarkeit.leich-ter f ehlen kann, und aus angegebene n Gründen meist fehlen muss,weil man darin für die anschauliche Verknüpfung die associativedurch die Idee_hat. Aber auch Glanz, Reinheit und Sättigung derFarbe, gefällige Farbenzusammenstellungen spielen in den niedri-gem Künsten der Sichtbarkeit eine wichtigere Rolle als in denhöhern, welche sich die niedern Vortheile nur versagen, um höheredafür zu bieten.