Druckschrift 
3 (1864)
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54

sollte, fand der Doktor die Umstände, und zwar zum Besseren, ver-ändert. Die Operation unterblieb, und der Kranke erholte sich wirk-lich und konnte in der Folge seinen Dienst wieder versehen.

Ob es gleich nicht die Regenzeit war, die für diesen TheilBrasiliens in den September fällt, so hatten wir doch fast beständigenRegen, und man brachte wohl im Volke die Ankunft der Russenmit dem ungewöhnlichen Wetter in Verbindung. Jndeß war vonden gesammelten und schwer zu trocknenden Pflanzen mein ganzerPapiervorrath bereits eingenommen. Die vom Schiffe, welche un-ter dem Zelte schliefen, Maler, Steuermann und Matrose, bedientensich meiner Pflanzenpaquete zur Einrichtung ihres Lagers und alsKopfkiffen. Ich war darum nicht befragt worden und hätte michder eingeführten Ordnung zu widersetzcu vergeblich versucht. DasZelt ward aber in einer stürmisch regnichten Nacht umgeworfen, unddas Erste, woran jeder bei dem Unfälle dachte, war eben nicht,meine Pflanzenpaquete ins Trockene zu bringen. Ich verlor aufdiese Weise nicht nur einen Theil meiner Pflanzen, sondern auchnoch einen Theil meines Papieres, ein unersetzlicher Verlust, undum so empfindlicher, als mein Borrath nur gering war, indem ichauf einen Andern zu rechnen verleitet worden und selber nun mitmeinem Eingebrachten für einen Zweiten, für Eschscholtz, der ganz >entblößt war, ausreichen sollte.

Krusenstern, an dessen Bord Otto von Kotzebue sich befand,war vor zwölf Jahren zu derselben Jahreszeit mit der Nadeshdaund der Newa in diesem selben Hafen gewesen, hatte ungefähr anderselben Stelle vor Anker gelegen und sein Observatorium auf der ^kleinen Insel Atomery gehabt, auf welcher das Fort Santa Cruzliegt. Damals hatte ein geborener Preuße, Namens Adolph, wohn-haft zu San Miguel, vier bis fünf Meilen von unserm Zelt, Kru-fenstern und seine Offiziere auf das gastlichste empfangen und mitihnen auf das freundschaftlichste gelebt. Otto Astawitsch erinnertesich liebevoll des Gastfreundes; er erkundigte sich nach ihm; es wurdeihm berichtet, daß jener gestorben sei, daß aber die Witwe nochlebe; und er beschloß, die wohlbekannte, freundliche Frau zu be-suchen; wir wallfahrteten nach San Miguel. Diese Witwe war