Druckschrift 
3 (1864)
Entstehung
Seite
55
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SS

nicht die Frau, die Otto Astawitsch gekannt hatte, sondern einejunge Frau, die Adolph, bald nach dem Tode der ersten, in zweiterEhe geheirathet hatte. Sie beherbergte einen Landsmann und Freundin dem neu ausgesuchten Hause. Damals hatten die russischen Offi-ziere ihre Namen an die gastliche Wand eingeschrieben: geglättetund übertüncht waren die Wände; der Fleck, wo jene Namen ge-standen, war nicht mehr zu ermitteln, keiner wusste davon, und dasAndenken des erst im vorigen Jahre gestorbenen Adolph's schien, so-wohl als das der Russen, gänzlich ausgegangen.

Wir wurden ans solchen Exkursionen von den Landbewohnern,bei welchen wir ansprachen, oder die uns selber zuvorkommend inihre Häuser zogen, mit Fruchten bewirthet, und es ward unS, wasder Vorrath erlaubte, angeboten; wenn wir aber für das GenosseneBezahlung anboten, verstand man uns nicht. Die Uebervölkernnghat der natürlichen Gastfreundschaft noch nicht Einhalt gethan.

Wir fanden hier den Sklavenhandel noch im Flor. Das Gou-vernement Santa Catharina bedurfte allein jährlich fünf bis siebenSchiffsladungen Neger, jede zu hundert gerechnet, um die zu ersetzen,die auf den Pflanzungen ausstarben. Die Portugiesen führten solcheaus ihren Niederlassungen in Congo und Mosambigue selber ein.Der Preis eines Mannes in den besten Jahren betrug 2- bis 300Piaster. Ein Weib war viel geringeren Werthes. Die ganze Krafteines Menschen schnell zu verbrauchen und ihn durch neuen Ankaufzu ersetzen, schien vortheilhafter zu sein, als selbst Sklaven in seinemHause zu erziehe». Mögen euch ungewohnt diese schlichten Worteeines Pflanzers der neuen Welt ins Ohr schallen. Der Anblickdieser Sklaven in den Mühlen, wo sie den Reis in hölzernen Mör-sern mit schweren Stampfkolben von seiner Hülse befreien, indemsie den Takt zu der Arbeit auf eine eigenthümliche Weise ächzen, istpeinvoll und niedcrbeugend. Solche Dienste verrichten in EuropaWind, Wasser und Dampf. Und schon stand zu Krusenstern's Zeiteine Wassermühle im Dorfe San Miguel. Die im Hause derHerren und die in ärmeren Familien überhaupt gehalten werden,wachsen natürlich dem Menschen näher als die, deren Kraft bloSmaschinenmäßig in Anspruch genommen wird. Wir waren übrigens