Alkaloide.
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Muscarin eine farblose, syrupartige, geruch-undgeschmacklose, in Wasserund absolutem Alkohol in jedem Yerhältniss lösliche, in Aetber unlös-liche, in Chloroform schwer lösliche Masse dar. Es wird über Schwefel-säure getrocknet allmälig krystallinisch; an die feuchte Luft gebrachtzerfliesst es aber in kurzer Zeit. Bei 80° bräunt es sich etwas, wirdbei 100° fest, schmilzt alsdann beim stärkeren Erhitzen abermals unterEntwickelung eines narcotischen Geruchs. An der Luft zieht esKohlensäure an, welche es selbst beim Kochen der Lösung nicht ganzwieder abgiebt. Das Muscarin ist eine starke Pflanzenbase; es reagirtalkalisch, fällt Kupfer- und Eisenoxyd aus dessen Sulfatlösungen undbildet mit Säuren meist zerfliessliche Salze, von denen das Sulfat beimlängeren Yerweilen im Exsiccator krystallisirt.
Wie das Physostigmin 1 ), so wird auch das Muscarin 2 ) als Gegen-mittel bei Atropinvergiftung et vice versa empfohlen.
Atropin, von welchem gegenwärtig beträchtliche Mengen ge-braucht werden, findet sich nach Jul. Lefort 3 ) in allen Theilen desTollkrautes (Atropa Belladonna ) vor, jedoch in den Blättern zur Zeitdes Blühens der Pflanze etwas reichlicher als später. Deshalb sind dieBlätter zum Zweck der Atropingewinnung etwa immer zwischen derBlüthe und der Fructification zu sammeln. Cultivirte und wildwachsendePflanzen geben zur nämlichen Zeit die gleiche Ausbeute an Atropin.Die Wurzeln weisen hierin einen äusserst schwankenden Gehalt auf. ImAllgemeinen geben junge Wurzeln mehr Atropin als 2 bis 3 Jahre alte.Nach Günther 4 ) ist das Atropin aus den Wurzeln, Blättern undFrüchten strahlig krystallinisch, dagegen aus den Stengeln der Bella-donna, wie das Alkaloid aus Datura Strammonium, amorph.
In der Medicin wird heutigen Tags nur das krystallisirte Atropin,sowie dessen krystallisirtes Sulfat und Yalerianat angewandt, währenddas amorphe Alkaloid, welches das Atropin in der Belladonna häufigbegleitet und von Hübschmann Belladonnin genannt wurde, vorläufigzurückgestellt wird, obwohl es nach Chalybäus 5 ) in ähnlicherWeisewirkt wie das Atropin.
Kraut 6 ) und W. Lossen 7 ) haben die Zersetzungen des Atropinsstudirt und gefunden, dass es beim Kochen mit Barythydrat oder mitSalzsäure sich leicht nach der Gleichung
C 17 H m NOs + h 2 0 = C 8 H 15 NO + C 9 H 10 O 3
in Tropin, eine besondere Base, und Tropasäure spaltet. LetztereSäure giebt beim Erhitzen mit Kaliumbichromat und Schwefelsäirre
4 ) Chem. Centralbl. 1873, S. 655. 2 ) Kuckert, Beiträge zur Kenntniss
des Muscarins. Inaugural-Dissert. Marburg 1871. 3 ) Lefort, Graz. med.
de. Paris XLVII, 433. 4 ) Günther, Pharm. Ztg. f. Russl. Kehr. 1869.
5 ) Chalybäus, Gehe’s Droguenbericht vom Monat April 1872, daraus imArchiv f. Pliarm. (II.) CL, 268. °) Kraut, Ann. Chem. Pharm. CXLYIII,
236. 7 ) Lossen, Ann. Chem. Pharm. CXXXI, 43; CXXXVIII, 230.
■WiGHor Weltausstellung. III. I. 2.