Organische Säuren. 425
Weinsäurelösung unlösliches Kieselfluorkalium, eine Verbindung, ausder durch Behandeln mit Calciumcarbonat oder in der I. S. 318 d. Ber.beschriebenen Weise Kaliumcarbonat zu gewinnen ist, welches ein weitwerthvolleres Product darstellt, als Kaliumsulfat oder -Chlorid. Aus derdabei erhaltenen Calciumverbindung lässt sich wiederum Kieselfluss-säure gewinnen. Ein dahin gehendes Patent hat Hr. Kessler in derThat bereits im Jahre 1858 genommen *), aber dies Verfahren hat sichwegen der Schwierigkeit der Darstellung der Kieselflusssäure keinenEingang verschaffen können. Es ist sehr wünschenswerth, dass dienächste Zukunft eine einfache und sichere Bereitungsweise dieser Säurebringe.
Ueber die Bereitung und Anwendung der mannigfachen Salze derWeinsäure, welche in der Industrie und Pharmacie gebraucht werden,wie neutrales und saures Kaliumtartrat, Seignettesalz, Brechweinstein,ist nichts Neues von Belang zu berichten.
C i t r o n e n s ä u r e.
Die Citronensäure, Cu H 8 0 7 , ist eine dreibasische Säure und hatfCOOIi
die Constitution C 3 H 4 (OH) <COOH; sie ist das hydroxylirte Substi-
(COOH
tutionsproduct einer Säure C 3 H 5 (COOH) 3 . Dies ist die Formel der Tricarb-allylsäure, einer Verbindung, die in der That durch Beduction derCitronensäure zu erhalten ist. Es ist aber noch nicht gelungen, sei esvon der Tricarballylsäure aus, sei es auf anderem Wege, die Citronen-säure künstlich darzustellen.
Man ist also auf ihr Vorkommen in der Natur angewiesen. Sietritt im Pflanzenreiche nicht selten auf; man findet sie besonders inJohannis-, Stachel-, Preisselbeeren und mehreren anderen säuerlich-süs-sen Früchten, in erheblicher Menge aber in den Citronen.
Die weitaus grösste Menge der Citronensäure wird aus Citronen-saft dargestellt, der einen nicht unwichtigen Ausfuhrartikel der appen-ninischen und iberischen Halbinseln, Siciliens sowie einiger westindischerund der Sandwich-Inseln bildet. Der Saft wird aus den noch nichtvöllig reifen Früchten der echten Citrone (Citrus medica), der Li-mone ( C. Limonum) und der Bergamotte ( C. Bergamia) durchAuspressen gewonnen. Der Werth des Saftes variirt sehr; sein Gehaltan Citronensäure sollte 6 bis 7 p. C. betragen- Ausserdem findet sichim Handel noch eingedickter Citronensaft, der bis auf 23 bis 25° B.concentrirt ist und etwa 23 p. C. Säure enthält. Der Saft wird bis-
x ) Vergl. A. W. Hofmaun, Reports t>y the Juries, London 1863, 112.