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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Organische Säuren. 421

abgeschieden wird, einen Sprit, der von den Liqueurfabrikanten sehrgesucht ist. Nach Beendigung der Destillation wird die Hefe, wennnöthig, mit Wasser verdünnt und in einen grossen Bottich von 100 bis150 Hl Inhalt gehoben. Man bringt in denselben etwa 50 Ctr. Hefe,füllt mit Wasser beinahe voll, setzt circa 1 Ctr. rohe Salzsäure zuund erhitzt, während ein Rührwerk arbeitet, mittelst Dampf bis nahezum Sieden. Alsdann lässt man dem Inhalt des Bottichs einige Stun-den Ruhe zum Absitzen und hebert die klare Flüssigkeit ab in einenzweiten Bottich, worin sie unter beständigem Rühren mit gepulverterKreide nahezu neutralisirt wird. Durch das sich bildende Chlorcalciumwird alle Weinsäure gefällt. Hierauf wird die Flüssigkeit in einendritten Bottich abgelassen, wo sich der weinsaure Kalk ahsetzt und ge-waschen wird. Den schlammigen Bodensatz des ersten Bottichs presstman aus, um noch die darin enthaltene Weinsäure zu gewinnen; derPressrückstand kann auf Rebschwarz verarbeitet werden.

Das trockene Geläger, welches im Herbst und Winter verarbeitetwird, muss zuvor zu Mehl gemahlen werden und macht sodann denselbenProcess wie das feuchte Geläger durch. Der aus Hefe erhaltene wein-saure Kalk zeichnet sich vor dem aus Weinstein dargestellten durchseine Reinheit vortheilhaft aus.

Aehnlich wie die Hefe werden die Rückstände von der Fabrikationdes Seignettesalzes und die der Weinsteinraffinerien verarbeitet.

Der auf die eine oder andere Weise erhaltene weinsaure Kalk wirdnun durch Schwefelsäure zersetzt. Man muss mehr als die theoretischeMenge Schwefelsäure (die auf 9'4 weinsauren Kalk 4'9 Thle. beträgt)anwenden, denn einerseits sind nur aus stark mineralsauren Lösungenschöne Krystalle von Weinsäure zu erzielen, andererseits stört die Gegen-wartgeringer Mengen weinsauren Calciums oder schwefelsauren Kaliums(von ungenügendem Auswaschen des weinsauren Calciums herrührend)die Krystallisation in hohem Grade. Man mischt in einer passendenMulde das Kalksalz mit der Schwefelsäure, giebt das nöthige Wasserzu, um einen rührbaren Brei zu erhalten, und erhitzt unter thnrührenmit Dampf auf 75°. Sobald die Schwefelsäure in einem gewissen Ueber-schuss vorhanden ist, was man nach der Grösse des Niederschlags schätzt,den eine filtrirte Probe mit Chlorcalciumlösung liefert, filtrirt man dieWeinsäurelösung vom Gyps ab und dampft sie mit Dampfschlangenin Bleipfannen kochend ein, wobei sich etwas Gyps ausscheidet. Wenndie Lauge concentrirter wird, darf die Temperatur nicht über 70° bis75° steigen, da sonst die Schwefelsäure ihre wasserentziehende kohlendeWirkung ausübt. Bei einer Concentration von 40° B. wird die Laugein mit Blei gefütterte Kästen oder grosse Thonschalen abgezogen undder Krystallisation überlassen. Die Mutterlaugen werden noch dreimaleingedampft, die vierte wird als Rohmaterial behandelt. Die Krystallewerden in Centrifugen ausgeschleudert, wieder aufgelöst, mit Spodium