272 Gruppe III. Chemische Industrie.
gleichzeitig auch den Procjpntgehalt an absolutem Alkohol festzustellen,so dass ein solcher Apparat die innerhalb einer bestimmten Zeit er-haltenen Literprocente an absolutem Alkohol angäbe.
Die Construction eines solchen Apparates ist eine brennende Tages-frage geworden, da Seitens der deutschen Regierung die Absicht vor-liegt, an Stelle der jetzt bestehenden Maischraumsteuer eine Fabrikat-steuer zu setzen.
Von den bisher vorgeschlagenen Controlapparaten sind als dierelativ besten diejenigen von Albrecht in Königsberg und Nög-gerath in Liegnitz zu nennen; vor Allem aber der von der deutschenRegierung vorgezogene und zur Einführung bestimmte Apparat vonSiemens und Halske. Letzterer Apparat stellt eine Gasuhr, wiedieselbe zum Messen des Leuchtgases allgemein benutzt wird, dar undbesitzt eine Vorrichtung, welche durch einen Schwimmer gleichzeitigdie Gradstärke des durchfliessenden Alkohols anzeigt.
Ueber die Zuverlässigkeit des Siemens’schen Apparates lautendie Angaben sehr verschieden; von Seiten der Spiritusfabrikanten,welche in ihrer grossen Majorität überhaupt kein Heil für die Spiritus-industrie in der Einführung der Fabrikatsteuer sehen wollen, wird hierdie Brauchbarkeit des volum - messenden Theiles des Apparates nichtin Frage gestellt, wohl aber diejenige des die Gradstärke des Alkoholsfeststellenden Theiles des Siemens’schen Apparates in Zw'eifel ge-zogen; andererseits wird von den für die Einführung der Fabrikat-steuer interessirten Stimmen die absolute Brauchbarkeit des ganzenApparates behauptet.
Uebrigens dürfte diese Frage schnell zur Entscheidung kommen,da Russland vom 1. Januar 1874 ab sein Steuersystem für Spiritus aufGrund des Siemens’schen Controlapparates in eine Fabrikatsteuerumgewandelt hat.
Für Melassemaischen, welche zur Invertirung des Rohrzuckersmit Säure versetzt werden und welche in Folge dessen ein saures, dieMetalltheile des Apparates angreifendes Destillat geben, soll vorläufigin Deutschland von der Einführung des Siemens’schen Apparates ab-gesehen werden. Es dürfte jedoch gewiss als möglich bezeichnet wer-den, den Apparat aus einem Metall (Platin resp. platinirtem Metall)herzustellen, welches den Angriffen der Säure widersteht.
Hiermit mag der Bericht über die Fortschritte der Spiritusfabri-kation in dem letzten Jahrzehend geschlossen werden; wenn man zurück-blickt, so kommt man zu dem Resultat, dass die Spiritusfabrikationnach einem längeren Stillstände gerade in den letzten Jahren in einem