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3,1,2 (1877) Chemische Industrie : mit einem Rückblick auf die Entwicklung der chemischen Industrie während des letzten Jahrzehends
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Gruppe III. Chemische Industrie.

Als landwirtschaftliches Gewerbe hat die Fabrikation der Kar-toffelstärke den Zweck, ausser Stärke noch Futter und Düngstoffe zuliefern. Der Landwirth war lange Jahre hindurch im Stande, dieseFabrikation in sehr bescheidenem Umfange und mit den einfachstenHilfsmitteln und Einrichtungen vorteilhaft zu betreiben. Derselbefand seine Rechnung, wenn er auch nur eine geringere Ausbeute anStärke erzielte, weil die Rückstände als wertvolles Yiehfutter Verwen-dung fanden und die phosphorsäure-, Stickstoff- und kalihaltigen Ab-laufwasser zur Berieselung von Wiesen dienten und reiche Heuerntenbewirkten.

Diese ältere Fabrikationsweise liess aber mehr und mehr in ihrerRentabilität nach, in dem Maasse die grösseren vorhin erwähnteneigentlichen Stärkefabriken sich vervollkommneten und dadurch imStande waren, die Stärke billiger herzustellen als vordem. Der Land-wirt wurde hierdurch gezwungen, ebenfalls auf eine höhere Ausbeutean Stärke aus den Kartoffeln bedacht zu sein, ohne qualitativ an Rück-ständen für das Vieh , eine Einbusse zu erleiden. Er sah sich veranlasst,nach beiden Richtungen hin durch Einführung besserer Apparate undvollkommenerer Methoden rationeller zu arbeiten. Fesca in Berlin,der sich um die Stärkefabrikation die vielfachsten Verdienste erworbenhat, gebührt auch die Anerkennung, diese Fabrikation im landwirt-schaftlichen Sinne wesentlich gehoben zu haben, indem er, wie aus deroben (S. 167) citirten Broschüre des Näheren zu ersehen ist, wirksamereKartoffelreiben (Reiben mit Reibeisenblechschärfung) construirte undausserdem in erfolgreicher Weise thätig war, für die Gewinnung derstickstoffhaltigen Stoffe (des Albumins) des Kartoffelfruchtwassers, fürdie Zwecke der Verfütterung. Die für diese Gewinnung von Fescaerfundenen Apparate und gegebenen Vorschriften werden jetzt ziem-lich allgemein mit grossem Erfolge benutzt.

Die Weizenstärke, welche besonders für die Zwecke der feinenAppretur eine sehr gesuchte Waare war, scheint jetzt mehr und mehrdurch die billigere Reisstärke, die zur Appretur viel geeigneter seinsoll *), verdrängt zu werden. 100 Pfund der letzteren sollen bei derAppretur die Wirkung von 115 Pfund Weizenstärke haben und dabeirühmt man, den mit Reisstärke präparirten Stoffen nach, niemals aufden Uebertrockencylindern anzukleben, wie dies so leicht bei der Weizen-stärke der Fall ist.

Die Reisstarkefabrikation hat noch deshalb in den letztenJahren so bedeutende Fortschritte gemacht, weil bei derselben der bil-lige Abfallreis oder sogenannter Bruchreis aus den Reisschälfabrikenmit Leichtigkeit benutzt werden kann, besonders seitdem man die Auf-lockerung der Körner resp. Lösung des Klebers derselben durch Quel-

*) Stenogr. Bericht d. Vereins deutsch. Stärkefabrikanten 1870, 40.