Druckschrift 
Deutsche Familiennamen nach ihrer Entstehung und Bedeutung, mit besonderer Rücksichtnahme auf Zürich und die Ostschweiz
Entstehung
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

189

soll aber noch ein Actenstück anderer Art existiren, lautwelchem schon 1584 Juden daselbst ansässig waren undes wird mit Grund vermuthet, dass ihr Wohnsitz und Auf-enthalt in diesem Landstriche viel weiter vielleicht nochin die Zeit der österreichischen Herrschaft, also vor 1415 hinaufreichen.

Wenn auf die Frage, wesshalb wohl nur in diesergemeinen Herrschaft und sonst nirgendwo in der SchweizIsraeliten durch alle Zeiten herunter bis zur Gegenwartwelche die politische und sociale Gleichberechtigung als vonder Confession unabhängig erklärte als bleibende An-sassen geduldet worden seien, die Antwort erfolgt, weil siefür den je weilen in Baden regierenden Landvogt eine Quellereichlich fliessender Einnahmen gewesen seien, und weil derLandvogt einer gemeinen Herrschaft selbstständiger regierthabe als derjenige im Immediatgebiete eines einzelnen eid-genössischen Standes, und desswegen eher über Ausweisungs-decrete etc. sich habe hinwegsetzen können, so sind dieseArgumente zwar gewiss richtig, und es findet namentlichdas Letztere eine gewisse Bestätigung dadurch, dass auchin einigen andern gemeinen Herrschaften und nur insolchen im 17. Jahrhundert noch Spuren jüdischer Kolo-nien nachzuweisen sind, so in der Landgrafschaft und ge-meinen Herrschaft Thurgau, wo in Mammern 1643 nochsechs jüdische Haushaltungen bleibend wohnhaft waren,Anfangs des 18. Jahrhunderts noch eine und da 1755den Juden der Aufenthalt in der Landvogtei Thurgau ver-boten worden war 1761 keine mehr, und in der gemeinenHerrschaft und Landvogtei Rheinthal, wo in Rheineck 1633noch eine Synagoge in einem eidgenössischen Abschiede,ferner 1641 Salomon Spyr, der Jude von Rheineck, imZürcher-Rathsmanual erwähnt werden, und 1643 noch ineinem Berichte des Dekans Fries an den zürcherischenAntistes über die ungehinderte Religionsübung der Rhein-ecker-Juden referirt wird, worauf die Israeliten dann aberbald auch aus diesem Zufluchtsorte verschwunden seinmüssen.

Allein da die oben angeführten Argumente für alle ge-