Juden - Namen.
Weit später als bei den christlichen Familienstämmendes deutschen Sprachgebietes haben sich bei den israeli-tischen Sippen, welche innerhalb dessen Grenzen ihren Wohn-sitz hatten, stabile Familiennamen ausgebildet und bleibendeingebürgert. Es lässt sich diese Erscheinung auch leichterklären. Einmal war bis in die Neuzeit hinein kaumirgendwo die Judengemeinde einer Stadt oder grossem Ort-schaft so zahlreich, dass man sich innerhalb dieser Gemeindenicht mit dem Gebrauche der blossen Personennamen hättebehelfen können; dann übten die Juden schon in altenZeiten — wie zum Theil noch heute, da sie doch im Be-sitze feststehender Familiennamen sind — gerne die Gewohn-heit, ein Individuum dadurch näher zu bezeichnen, dass siees mit seinem Personennamen und dem Beisatze „Sohnresp. Tochter des oder der“ nannten, ohne dass dieserVater- oder Muttername bei einer Sippe gleich zu erstarrenund zum stehenden Familiennamen zu werden brauchte;endlich waren und sind die Juden so erfindungsreich undfreigebig in der Ertheilung von Uebernamen, dass dem Sohnenur in wenigen Fällen der Uebername des Vaters als Erb-stück anhaften blieb, sondern ihm nach eigener Körper-oder Charaktereigenschaft oder nach sonst einem besondernMerkmale wieder sein eigener und specieller Uebernamegeschöpft wurde.
In Zürich bestand*) schon im letzten Drittel des 13.
*) Wir folgen hier hauptsächlich dem trefflichen Werke: „Samm-lung jüdischer Geschichten von Hans Caspar Ulrich, Pfarrer am Frau-münster, Basel 1768.“