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Das Martyrologium des Nürnberger Memorbuches
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Frau Sara, Gattin des Einnehmers Sabbatai ben Kalonymos ihrenMann und entschlofs sich daher, gegen alle Bemerkungen ihrerReligionsgenossen, den sicheren Zufluchtsort zu verlassen und ihrenGatten aufzusuchen und zu retten. Sie bewaffnete sich mit einemstarken Dolche und begab sich auf dieStrafsen derStadt. Nach vielemSuchen fand sie den lieben Gatten tot bei der Kirche hingestrecktneben den übrigen Märtyrern, die man aus der Kirche geworfenhatte. Die treue Gattin fiel auf ihn und rief aus: «O, edler,frommer Mann, o Sabbatai, ich folge Dir!» Sie sprach’s unddurchstach sich mit dem Dolche, mit dem sie sich bewaffnethatte, um ihren Gatten zu retten.»

Ist diese Schilderung, welche Abhängigkeit von den Kreuzzugs-berichten a. a. O., besonders von dem Mainzer Anonymus, S. 171,verräth, authentisch, dann fielen in Speyer zehn Märtyrer durchdie Kreuzfahrer und eine Frau durch eigene Hand. Diese Frauhiefs Sara ('s. o.) und nicht Minna, wie Quellen II, 84, N. 35, nachdem Mainz-Nürnberger Memorbuch angegeben ist, indem dieselbemit der gleichnamigen Glaubensheldin von 1146 (s. Ephraim b.Jakob in Quellen II, 189, Wiener, Ernek habacha 2 und dessen«Geschichte der Juden in Speyer» in Frankel, Monatsschrift XII,263) verwechselt wird.

Der vorstehend erwähnte heldenmütige Juda ist wohl identischmit dem gleichnamigen Speyerer Märtyrer J., der Grofse genannt, denZunz, Literaturgeschichte der synagog. Poesie, S. 600 verzeichnet.

Die verhältnismäfsig geringe Zahl der Opfer erklärt sich ausden Ausführungen bei Grätz, Geschichte der Juden VI 3 , 94 und395 und Aronius, Regesten, 84, n° 183.

Gegen Albertus Aquensis u. A. stimmt das Datum hier mitden jüdischen Berichten, so mit der oben citierten Elegie Kalony-mos’ (Seder bakinnot ed. Baer 118), und den in Quellen II ediertenKreuzzugsberichten, deren erster, unserm Martyrologium ent-sprechend, die Speyerer Märtyrer als die ersten Opfer des 1. Kreuz-zuges bezeichnet. (Vgl. Wiener, a. a. 0., 261, N. 42 und Grätz,a. a. O. VI 2 , 395).]

Worms. 1 )

Sonntag’, 23. Jjar 4856 [18. Mai 1096].

Man gedenkt ihrer im Gebete am Sabbat vor dem Wo dien feste.

') W. 1 und dementsprechend ähnlich die übrigen Hdss.: „Dieses sind dieNamen der Märtyrer von Worms, welche ’23. Ijar 4856, im 11. Jahre des 256. Mond-cyklus getötet sind. Gedenke, 0 Gott, mit den Seelen Ahrahams, Isaks undJakobs, Saras, Rebekkas, Rahels und Leas der Seelen der in der GemeindeWorms gefallenen Märtyrer, welche erschlagen und verbrannt wurden, weil siedurch Glaubenstreue den Namen Gottes heiligten. Deshalb möge ihre Seele auf-genommen werden in den Bund ewigen Lebens mit den übrigen frommen Männernund Frauen, welche im Paradiese weilen.“ —

Über den Mondcyklus im allgemeinen, über den 256., mit welchem sichMessiaserwartungen verknüpften, im besonderen vgl. Bericht Salomos b. Simeon,