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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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Epileptische und hysterische Dämmerzustände. 217

Die höchsten Grade der Bewusstseinsstörung bezeichnetman als epileptischen Stupor. Die Kranken zeigendabei einen ängstlichen, gereizten Gesichtsausdruck, sprechenkein Wort oder machen höchstens einzelne abgerissene, zu-sammenhangslose Aeusserungen; sie werden ganz von zahl-reichen Trugwahrnehmungen beherrscht, die eine klare Auf-fassung ihrer wirklichen Lage verhindern. Meist ist derBewusstseinsinhalt ein schreckenerregender, grauen-voller; der Patient wähnt sich von grässlichen Gefahrenumgeben, fürchtet gefoltert, hingcrichtet, lebendig begrabenzu werden und Aehnliches. Bisweilen finden sich indessengleichzeitig auch heitere, den Kranken beglückende Vor-stellungen und Gefühle, die Idee, sich im Himmel zu be-finden, mit Gott, der Majestät zu verkehren, Christuszu sein.

Von der grössten forensischen Wichtigkeit wird derepileptische Stupor, der auch als selbständigerpsychischerAnfall auftroten kann, durch die Entwicklung heftigerAngstaffekte. Häufig gehen dem Paroxysmus schon einigeZeit (Tage oder Stunden) Verstimmung, abnorme Sensa-tionen, schreckhafte Sinnestäuschungen (bemerkenswert!! dasSehen von rotlien Gegenständen, Flammen u. s. f.) undBenommenheit voraus, bis dann, meist ziemlich plötzlich,die Angst losbriclit. Der Kranke, der sich von Teufeln,Gespenstern, wilden Thieren, grossen Volksmassen umgebensieht, die oft koncentrisch gegen ihn anrücken, gerätli indie äusserste Todesangst und Verzweiflung und wird aufdiese Weise, um sich den vermeintlichen furchtbaren Ge-fahren zu entziehen oder sein Leben zu retten, zu impul-siven, wüthcuden Gewalttaten gegen sich und Anderegetrieben, die sich durch die rücksichtslose Brutalität ihrerAusführung auszuzeichnen pflegen. In einem mir bekanntgewordenen Falle war es der Teufel in Gestalt einesschwarzen Hundes, der den Kranken zur unmotivirten, ohnejede Ueberlegung ausgeführten Ermordung seines schlafendenKameraden veranlasste. Nach einigen Stunden oder Tagenpflegt die Angst zu weichen; meist bleibt noch einige Zeiteine leichte Verworrenheit und Benommenheit zurück. DieErinnerung an das Geschehene kann während des An-