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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
Entstehung
Seite
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I-Ianrll. in Folge v. Wahnideen n. Gcfiihlsstövungen. 129

Hemmung resp. die ganze Grösse des psychischen Verfalleserkennen. Aus diesen in grösster Mannigfaltigkeit wech-selnden und dennoch vielfach typischen Bildern vermagder Irrenarzt oft schon beim ersten Anblicke eine un-gefähre Diagnose der Störungen zu stellen. Zahllos sindaber die Fälle, die für die oberflächliche Beobachtunggar keine auffallenden Erscheinungen darbieten, ein Ver-halten, welches durch die bekannte Erfahrung illustrirtwird, dass Laien bei einem Besuche in der Anstalt beider Mehrzahl der Kranken die Psychose nicht aufzufindenvermögen.

Von besonderer Wichtigkeit sind noch die Veränderungenin Sprache und Schrift, welche durch die Geistesstörungbedingt werden. Abgesehen von dem Inhalt derselben, dernatürlich meist die AVahnideen oder Stimmungen des Krankenerkennen lässt, prägt sich auch in der Form oft schon derGrundzug der Psychose aus. Die Ideenflucht kennzeichnetsich durch die Zusammenhangslosigkeit der einzelnen ab-gerissenen, kaum vollständig ausgesprochenen oder aus-geschriebenen Worte, der Bewegungsdrang in unaufhör-lichem Schwatzen und endlosen wirren Schnörkeln. Diedepressive Stimmung lässt nur leise, zögernde Worte zuStande kommen und den Kranken schon nach den erstenBuchstaben die Feder wieder bei Seite legen. Der Para-lytiker im floriden Grössenwahn beschreibt in grossen Letternoder mit Zahlen Seiten über Seiten mit zahlreichen Aus-lassungen und Fehlern, Versetzungen der Buchstaben undWorte, voller Klexe und unsauberer Korrekturen, indemgleichzeitig hier wie in der Sprache die ataktischen Störungenin charakteristischer Weise hervortreten. Verrückte end-lich sind namentlich durch die Neigung zur Bildung vonneuen, selbsterfundenen Worten ausgezeichnet, mit denensie ihre eigenthiimlichen Sensationen, ihre Feinde, ihreeigenen hohen Würden u. s. f. benennen. Häufig begegnetman auch bei ihnen einer sonderbar verzwickten Anordnungihrer Schriftstücke oder verwickelten, dem Uneingeweihtengänzlich unverständlichen Zeichnungen von Maschinen , Si-tuationen, fabelhaften Wesen, die schon auf den ersten Blickden Eindruck des Krankhaften erwecken.

Kraepelin, Comp. d. Psychiatrie.

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