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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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TI. Allgemeine Symptomatologie.

häufigsten missverstehen, d. h. unwillkürlich durch subjektiveElemente ergänzen und interpretiren, so spielen auch beiGeisteskranken die Apperceptionsillusionen besonders danneine grosse Eolle, wenn die scharfe Auffassung der Sinnes-eindrücke aus irgend welchen peripheren oder centralen Ur-sachen eine Beeinträchtigung erlitten hat.

In der Kegel vollzieht sich dieser Vorgang der Ver-mischung von Wahrnehmung mit subjektiven Elementen aufeinem und demselben Sinnesgebiete; es giebt indessen aucheine ebenfalls hierher gehörige Gruppe von Störungen, welchein der Auslösung einer Trugwahrnehmung eines Sinnesdurch einen normalen Eindruck im Bereiche eines anderenbestehen, die von Kahlbaum sogenannten Eeflexhallu-cinationen. Man kann sich dabei etwa vorstellen, dassder centripetale Sinnesreiz Erregungszustände hervorruft, diebei ihrer centrifugalen Uebertragung auf eine übererreglicheSinnesfläche dort zur Entstellung des Phantasma Veran-lassung geben. Normale Beispiele dieses Vorganges sindalle die sog. sympathischen Empfindungen, die Tastempfin-dung bei einem blinden, gegen uns gerichteten Stosse, dieunangenehmen Sensationen des nicht abgehärteten Zuschauersbei schmerzhaften Operationen u. s. f. In pathologischenZuständen sind dieselben bisweilen sehr hochgradig und zu-gleich in sehr bizarren Formen entwickelt: die Krankenfühlen sich mit der Suppeausgefüllt, von ihrer Nachbarineingenäht,eingestrickt u. älinl.

Die klinischen Formen der Trug Wahrnehmungen aufden einzelnen Sinnesgebieten bieten eine grosse Mannigfaltig-keit dar. Unter den Gesichtstäuschungen sind am häu-figsten nächtliche Erscheinungen, sog. Visionen, entwederleuchtende Gestalten, Gott, Christus, Engel, Verstorbene,lebhaft bewegte bunte Menschenmengen, Blumen, oder schreck-hafte Fratzen, Teufel, wilde Thiere u. dergl. Diese Er-scheinungen gleichen in ihren meist etwas fremdartigen undphantastischen Formen, in ihrem raschen Wechsel und ihrerVielgestaltigkeit den Trugwahrnehmungen des Fieberdeli-riums oder des lebhaften, unruhigen Traumes, besitzen abereine noch grössere sinnliche Deutlichkeit. Bisweilen ist esindessen später den Kranken selbst nicht möglich, dieselben