Druckschrift 
1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
234
Einzelbild herunterladen
 

2Z4

Curs

Cust

Cycl

Cyli

der stehenden, bei der man sich durch Anmerkungen undErklärungen verweilt, entgegengesetzt. Man könnte jeneeine laufende, diese eine stehende oder auch eine wei-lende Vorlesung nennen.

Cursus, eigentlich der Lauf. Allein im Deutschen wirdes nur uncigcntlich für den Inbegriff eines in Absätzengegebenen wissenschaftlichen Unterrichts gebraucht; undda habe ich Lehrgang, ober, wo der Zusammenhangschon die nähere Bestimmung gibt, Gang schlechtweg,dafür in Vorschlag gebracht. Der Unterricht in der Ge-schichte u. s. w. muß nicht auf einmahl gegeben, sondernin mehre, wohlabgestuste Lehrgänge vertheilt werden.Dagegen wandte Rüdiger Folgendes ein:Crirsuszeigt, als Kunstwort den Vortrag einer Wissenschaft an,z. B. der erste historische Cursus : und in dieser Bedeu-tung übersetzt es C. durch Lehrgang, oder auch das ein-fache Gang. Aber oft versteht man auch darunter denganzen Zusammenhang und Inbegriff der Wissenschafteneiner Art, z. B. der academischc, juristische, und damüßte man Deutsch wol Laufbahn sagen, welches dennzugleich auch für die besonders mit dem fremden Wortebenannte Prüfung der Aerzte im Preußischen, und fürdas Französische Carriere, für den Dienst von untenauf, z. B. bei der Kammer, brauchbar wäre/" MeineAntwort hierauf war: Ich habe nichts dagegen, daßmau das Wort Laufbahn, ungeachtet es unbestimmt ist,da gebraucht, wo der Zusammenhang die fehlende Be-stimmung ersetzt, wie wenn man z. B. sagt : Der jungeArzt reisete nach Berlin, um daselbst erst die von denGesetzen vorgeschriebene Laufbahn zu betreten; allein ichsehe nicht ein, warum wir nicht auch den Zusammen-hang oder Inbegriff der Wissenschaften Einer Art einenLehrgang sollten nennen dürfen. Er hat seinen Lehr-gang in den Rechtswissenschaften noch nicht vollendet.Oder wollen wir in diesem Falle lieber Lerngang dafürsagen? Für Carriere in der angegebenen Bedeutung

' habe ich, außer Laufbahn, das bestimmtere Dienstgangvorgeschlagen. S. Carriere. Fr.Schulz hüt den vonmir vorgeschlagenen Ausdruck, Lehrgang, in Lchrlaufzu verwandeln für gut gesunden:Wer, wie Sie, denLehrlauf der Menschlichkeit gemacht hat/" Allein dereintönige Anfang beider Silben mit l macht einenUcbel-klang. C a t e l hat Lehrgang aufgenommen.

Custos, eigentlich und im Allgemeinen ein Hüter. Inbesonderer Bedeutung ein Küster (welches auch aus Cu-stos entstanden ist), wofür man in einigen Gegendenauch Kirchner, in andern Mestner, und im Braun-schwcigischcn Opfermann sagt. In der Buchdruckerspra-che, wo die am Fuße jeder Seite besonders abgesetzteSilbe, welche den Anfang der folgenden Seite andeu-tet, damit gemeint wird, hat Ad. Blatthütcr dafürvorgeschlagen. Rüdiger stndet diese Verdeutschungnicht gut;denn, sagt er, der custos ist nicht;nuram Ende des Blatts, sondern jeder Seite gewöhnlich.

und also müßte er wol Seitenhüter heißen/" Aber ge-nau genommen hütet er doch wirklich allemahl zwei Sei-ten, also so viel als ein ganzes Blatt. Denn steht eram Ende eines Blatts, so ist von selbst klar, daß erverhüten soll, daß ein anderes Blatt, als das rechte,darauf folge; steht er aber am Ende der ersten Seitedes Blatts, so soll er ja verhüten, daß der Leser, wennetwa die folgenden zwei Seiten verklebt oder nicht auf-geschnitten sind, erst auf der dritten Seite, also mitUeberschlagung zweier Seiten, oder eines ganzen Blat-tes , fortfahre. Ich habe indeß gegen Seitenhüter auchnichts einzuwenden, weil zunächst und unmittelbar nurEine Seite, nämlich die folgende, dadurch bezeichnetwird. Auch Hüter schlechtweg, welches Rüdiger nochlieber dafür angenommen sehen möchte, könnte, wennes eingeführt wäre, hinreichend fein. Hepnatz hatFolgezeiger dafür gebildet. Das Wort Luslos kommtauch,. abwechselnd mit Mostra und Guidon , in derTonkunst vor. Hier versteht man darunter ein Zeichenam Ende einer Notcnzeile, wodurch die zunächst folgen-de Note der nächsten Zeile in voraus angedeutet wird.Reichardt hat die Deutschen Benennungen Lcitzci-chen und Tonzeiger dafür angesetzt.

Cyclus, oder Cykel, eine gewisse Reihe von Jahren,die, wenn sie abgelaufen oder abgezählt ist, wieder vonvornan gezählt wird, und die also gleichsam einen Kreisbildet. Ich glaube Zeitkreis oder Zeitnng dafür vor-schlagen zu dürfen.Kann weggerissen aus dem Ringeder Zeit das Gestern werden? Kosegarten. Derglei-chen Zeitringe werden zur Erleichterung der Zeitrech-nung gebraucht. Es sind besonders drei gewöhnlich,nämlich:

1. Der Sonnencykel oder Sonnenzeitring, d. L ei-ne Folgereihe von 28 Jahren, binnen welcher Zeit, nachder Einrichtung des Julianischen Kalenders, die Sonn-tage (also auch alle übrige Wochentage) wieder in eben-derselben Ordnung auf dieselben Monatstage fallen.

2. Der Mondcpkel oder Mondzeitring, d. i. eineReihe von 19 Jahren, binnen welcher Zeit die Neu-monde wiederum auf die vorigen Tage des Jahres zu-rückkommen, weil 19 Sonnenjahrc ziemlich genau 235Mondwechsel (Lunationen) ausmachen.

Z. Indictionscykel ober der Stcuerzeitkreis, d. i.eine Reihe von 15 Jahren oder drei Römische Gustra,auf welche unter den Römischen Kaisern jedesmahl dieSteuern bestimmt und ausgeschrieben wurden. S. G e h-lcrs phpstcalisches Wörterbuch.

Cyclop, in der Fabellehre, einer der ricscnmäßigen Schmie-deknechte des Vulkans, mit einem einzigen runden Au-ge mitten auf der Stirn. Rund-auge i|£ die wörtlicheUebersetzung dieses Worts. .

Cyder, Obstwein.

Cylinder, im gemeinen Leben, eine Walze; in der Grö-ßenlehre, ein gleichauflaufender langlichtrunder Körper,

dessen