319
Mit der Stiftung Faber's für Studirende an der WienerUniversität hatte es folgendes Bewandtniss.
Das Wiener Cistercienser-Nonnenkloster St. Nicolausvor dem Stubenthor mit Besitzthum und Gütern war durchBrand und Türkenbelagerung eingeäschert und verheertworden; die überlebenden Nonnen starben 1531 an der Pestund die Klostergüter kamen an die Franciscaner von St. Do-rothea, Einiges auch vorläufig an die Universität. 1 ) Damitdie Kirche und der kleinere Theil des St. Nicolausklostersin der Singerstrasse, der vom grossen Stadtbrande 1525übrig geblieben war, nicht für profane Zwecke verwendetwerde, schenkte sie mit den Gütern König Ferdinand demneuen Bischof Johann Faber, theils um dessen Einkünfte vondem verarmten Bisthume Wien zu verbessern, theils auchum Faber's Absichten, ein Convict für Theologie-Studirendezu gründen, entgegen zu kommen. 2 ) Anfänglich sollten 12bis 13 arme Studenten ohne Unterschied der Nationalitätund ohne Rücksicht auf die Facultät, der sie anzugehörenhätten, in das sogenannte Collegium bei St. Nicolaus auf-genommen werden; so verordnete es Faber in seiner früherenVerfügung. In seinem Testamente vom 17. November 1540erweiterte er jedoch die Stiftung in mehreren Punkten. 3 )
') Ueber das Kloster St. Nicolaus vergleiche Hormayr, Wiens Ge-schichte, Jahrg. II, Bd. 1, Heft 3, S. 42 f 11. — Eder, Catal. rect. ad 1534,P- 52: „Ferdinandus Rom. Rex Academiae donavit reliquias bonorumD. Nicolai in suburbiis Viennensibus et D. Udalrici in Nova Civitate, exdevastatione Turcica rolictorum."
2 ) Die königliche Schenkung wurde nach dem Wortlaut der Ur-kunde nicht dem Bischöfe gemacht, sondern „Johanni Fabro tanquamdoctori et consiliario pie de fundando pro studiosis collegio cogitanti."Kink 1. c.
3 ) Kink I.i S. 244, Note: „Die Stiftung geschah für 13 Stipen-diaten, welche nicht unter 16—17 Jahren sein, der artistischen Facultätangehören, dann aber jeder beliebigen andern Facultät sich zuwendenund nicht länger als 7 Jahre ihren Stiftplatz behalten konnten. Fürjeden Platz waren jährlich 50 Gulden angewiesen. Die oberste Aufsicht