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2 (1907)
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1113
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Yeratrinum.

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Das Veratrin ist eine starke Base und bildet mit Säuren gegen Lackmus neutralreagirende, meist in Wasser leicht lösliche Salze, welche sämmtlich amorph sind und einenscharfen und zugleich bitteren Geschmack besitzen. Von denselben kommen das Sulfat,Hydrochlorid, Nitrat, Acetat und Valerianat in Form von weissen Pulvern in denHandel und finden eine beschränkte medicinische Anwendung. In ihrer mit Salzsäureschwach angesäuerten Lösung erzeugen Kaliumquecksilberjodid und Phosphor-wolframsäure weisse, Phosphormolybdänsäure und Goldchlorid gelbe Niederschläge,Jodlösung bewirkt eine braune Fällung, Ammoniak, kohlensaure und kaustischeAlkalien fällen die freie Base in weissen Flocken aus.

Zusammensetzung des officinellen Veratrins. Das officinelle Veratrin ist,wie schon bemerkt, kein einheitlicher Körper, sondern ein inniges Gemenge verschiedenerBasen, nach E. Mehck ein Gemenge von fünf Basen. In der Hauptmenge sind das kry-stallisirte Veratrin (Cevadin) und das amorphe Veratrin zugegen, während Saba-din, Sabadinin und Sabadillin in kleineren Mengen vorhanden sind.

Krystallisirtes Veratrin (Cevadin von Wbight & Luff ) C H.j 9 N0 9 . Schmelz-punkt 205° 0. Leicht löslich in Aether. schwerer löslich in Alkohol. Die einfachen Salzesind amorph, die Gold- und Quecksilberchlorid-Doppelsalze krystallisiren. Aeusserst giftigund heftiges Niesen erregend.

Amorphes Veratrin (Veratridin) C 37 H 53 NO u (?). Leicht löslich in Aether,Weingeist und Chloroform. Hinterbleibt beim Verdunsten der ätherischen Lösung alsgelber Firniss. Erregt heftiges Niesen.

Sabadin C. 2e H 61 NO s . Löslich in Wasser, schwer löslich in Aelher. Bei 238240° C.schmelzende Nadeln.

Sabadinin C. 27 H 45 N0 8 . Haarfeine Nadeln, leicht löslich in Alkohol, schwerlöslichin Aether und in Ligroin.

Sabadillin (Cevadillin von Wright & Luff ) C 31 H 53 N0 8 (?). Harzige Masse, inAether fast unlöslich, leicht löslich in Weingeist und in Chloroform. Der Staub reiztkaum zum Niesen.

Prüfling. 1) Gutes Veratrin muss rein weiss, specifisch leicht sein und sich raschund klar in Weingeist auflösen. In Aether löst es sich bisweilen mit geringer Opalescenz,die nicht zu beanstanden ist. Diese Lösungen hinterlassen beim Verdunsten das Basen-gemisch als hellgelben, amorphen Firniss. Aus der Luft zieht das Veratrin rasch Feuch-tigkeit an und löst sich alsdann etwas trübe in Chloroform. Nach dem Trocknen überCalciumchlorid muss es sich in 2 Th. Chloroform klar auflösen. Verdünnte Lösungen desVeratrins in den genannten Lösungsmitteln sind nahezu farblos, koncentrirte gelb gefärbt.'2) 0,1 g Veratrin inuss, auf dem Platinbleche erhitzt, ohne einen Rückstand zu hinter-lassen, verbrennen. (Unorganische Beimengungen, wie Kalk.) 3) Die weingeistigeLösung darf durch Platinchlorid nicht gefällt werden (fremde Alkaloide, wie Brucin,Strychnin, Morphin würden Fällungen geben).

Aufbewahrung. Sehr vorsichtig. Beim Hantiren mit diesem Alkaloid beachteman stets seine Eigenschaft, Niesen zu erregen, auch hüte man sich, kleine Mengen (durchVermittelung der Finger u. s. w.) auf die Schleimhaut des Auges zu bringen. Das durchden Staub des Veratrins verursachte Niesen kann unter Umständen zueiner Beschädigung der Gesundheit führen!

Anwendung. Die innerliche Anwendung bei croupöser Pneumonie, rheuma-tischen Leiden, Hydrops u. s. w. ist fast ganz verlassen, da schon bei medicinalen Gabenbisweilen Collaps eintrat. Man gab es in Pillenform zu 0,0010,005 g mehrmals tag.lieh. Lösungen sind wegen des starken Reizes auf die Schleimhäute ausgeschlossen.Aeusserlich findet das Veratrin vielfach Anwendung bei Neuralgien, Ischias, rheumatischenSchmerzen (Zahnsehmerzen), Lichtscheu und Lähmungen, in Alkohol oder Chloroform gelöstoder in Salben mit Fett, Vaseline oder Lanolin gemischt, 0,10,5 g auf 10 g Lösungs-bezw. Vertheilungsmittcl. Auch subkutan zu 0,0010,003 g wird dasselbe verwendet, dochist hier grosse Vorsicht nothwendig.

Höchstgaben pro dosi: 0,005 g (Austr. Germ. Helv.); pro die: 0,015 g (Germ.0,02 g (Austr. Helv.).